seitige  Unabhängigkeit  anerkennend,  schieden  beide  Korps,  und
die  Dreußen  bezogen  neutrale  Quartiere  in  ihren  Grenzen.
—  Kaum  hatte  das  kleine  heer  sich  dem  Joch  der  Eroberer  entzogen,
  kaum  sah  das  Dolk  die  übermütigen  Eroberer  zurückkehren
  wie  wandelndes  Siechtum  in  verächtlichen  Haufen
elender  Bettler  (der  Eroberer  muß  immer  glücklich  sein,  sonst
ist  er  mit  Recht  verachtet),  als  es  sich  durch  die  Macht  des
Schicksals  zurückgeführt  fühlte  zu  einem  unabhängigen  freien
Dasein  und  zu  der  Derpflichtung,  alle  Kräfte  aufzubieten,
um  die  Unabhängigkeit  diesmal  kräftiger  und  würdiger  zu  be-Bhaupten,
  als  es  leider  im  Jahre  1806  geschehen  war.  —
Der  König  und  seine  Minister  verstanden  die  Stimme  des
Dolks  und  teilten  seine  Gefühle.  Sie  erkannten  die  Dflicht,
jetzt  das  Dolk  mit  allen  Kräften  gesetzlicher  Ordnung  und
Kutorität  zu  unterstützen,  den  kurzen  Seitraum  ungebundenen
Handelns  nach  Möglichkeit  zu  nutzen,  eiligst  alle  Kräfte  aufzubringen
  und  dann  den  Uampf  um  eine  freie,  ehrenvolle
Existenz  unter  den  Dölkern  Europas  noch  einmal  zu  beginnen.

So  veränderte  Preußen  seine  Stellung  und  wurde  der
erste  Derbündete  Rußlands  in  dem  neuen  Kampfe  für  die
Unabhängigkeit  Europas.

(Tausewitz,  Der  Feld  zug  1812  in  Rußland.)

Der  Held  von  Tauroggen:  Dorck  von  Wartenburg.

Hans  David  Ludwig  Graf  Dorck  von  Wartenburg,  geb.  1750,
aus  dem  kassubischen  Kleinadel  (Jarcken),  Sohn  eines  preußischen
Offiziers.  Er  wird  schon  im  zweiten  Dienstjahr  als  Leutnant  kassiert,
weil  er  von  einem  Dorgesetzten,  der  im  Krieg  nicht  ganz  reine
hände  behalten,  geäußert:  „Das  ist  ja  gestohlen.“  Friedrich  der
Eroße  durchstrich  das  jenen  vorgesetzten  verdammende  Urteil  und
schrieb  an  den  Kand:  „Geplündert  ist  nicht  gestohlen,  der  Dorck  kann
sich  zum  Teufel  scheren  !“  Dorck  nahm  Dienste  bei  dem  Regiment
von  Meuron  der  holländisch-ostindischen  Handelskompagnie,  die
bei  Frankreich  gegen  England  Schutz  suchte.  Kuf  Ceylon  kämpfte
Dorck  unter  den  Zugen  des  größten  französischen  Kdmirals:  Suffren.
1785  trat  er  wieder  ins  pres  Hische  Deer.  1806  zeichnet  er  sich  beim
Elbübergang  des  herzogs  von  Weimar  aus.  ZKuf  dem  Rückzug
Blüchers  gegen  TLübeck  fällt  er  schwer  verwundet  in  französische
Gefangenschaft.  Im  Seldzug  1812  führt  er  als  zweiter,  dann  als
erster  Kommandant  das  preußische  hilfsheer  unter  dem  Marschall
Macdonald.  Mit  der  sog.  MKonvention  von  Tauroggen  rettet  er
das  preußische  Heer  und  gibt  damit  den  Kustoß  zur  Befreiung.  Er

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