den  höchsten  Unwillen  empfunden  und,  Ihrem  Bündnis  mit
Srankreich  getreu,  nicht  allein  die  wegen  obiger  Kapitulation
abgeschlossene  Konvention  nicht  ratifiziert,  sondern  auch  sofort
verfügt  ...  [Folgt  die  Kbsetzung  Dorcks.]  Mit  diesen  Kllerhöchsten
  Befehlen  ist  der  Kgl.  Slügeladjutant  v.  Uatzmer
bereits  zur  Armee  abgegangen.  —  Es  ist  Sr.  Majestät  sehr
schmerzhaft  gewesen,  daß  ein  Corps  Tarmée,  welches  während
des  ganzen  Feldzugs  so  viele  Beweise  erprobter  Treue  und
Tapferkeit  gegeben  hat,  in  einem  entscheidendem  Moment
untätig  gemacht  ist..

Dorcks  Gegenerklärung.
Königsberg,  28.  Januar  1813.

Dorck  erklärt,  daß  von  Natzmer  weder  zu  ihm  noch  zu  General
von  Kleist  gekommen  sei.

.  JIch  werde  daher  um  so  unbedenklicher  fortfahren,
das  Gen.-Kom.  des  Korps  und  andere  Sunktions  usw.  auszuüben,
  da  bekanntlich  im  preußischen  Staat  eine  Seitung  kein
offizielles  Staatsblatt  ist,  und  bis  jetzt  noch  kein  General  seine
Verhaltungsbefehle  durch  die  Seitungen  erhalten  hat  ...

Die  Erhebung  Ostpreußens.

Die  Tat  Norcks  schien  keine  Folgen  zu  haben.  Da  ging  Norck
noch  einen  Schritt  weiter,  erschien  am  8.  Januar  in  Königsberg,  übernahm
  das  Oberkommando  über  die  Hrovinz  Ostpreußen  und  forderte
  auch  den  General  Bülow  auf,  gegen  die  Elbe  und  Oder  aufzubrechen.
  Ohne  den  Uönig  aber  oder  gar  gegen  ihn  noch  weiterzugehen,
  fiel  ihm  schwer.  Da  kam  am  22.  Januar  1815  der  Freiherr
vom  Stein  nach  Mönigsberg,  ausgestattet  mit  einer  Generalvollmacht
des  Saren  Klexander  I.,  die  Kräfte  der  Drovinz  für  den  künftigen
Widerstand  gegen  Napoleon  zu  organisieren.  Stein  machte  der
Ratlosigkeit  ein  Ende,  er  behandelte  das  Land  als  mit  Rußland
verbündet,  öffnete  die  häfen,  hob  die  Kontinentalsperre  auf  und
leitete  die  Dolksbewaffnung  ein.  hier  in  Ostpreußen  wurde  zuerst
die  offene  Sprache  der  Wahrheit  und  der  Freiheit  geredet.  Ein
ausgeschriebener  Landtag  beschloß  das  von  dem  Obersten  Clausewitz,
dem  Cieblingsschüler  Scharnhorfts,  entworfene  und  von  Dorck  vorgelegte
  Landwehrgesetz.  Ostpreußen  allein  stellte  15000  Mann  Reserve,
  20000  Mann  TLandwehr,  ein  Mational-kKavallerieregiment
und  700  Freiwillige  als  Offiziersstamm.  Ernst  Moritz  Arndt  schrieb
im  Zuftrage  Steins  seine  zündende  Schrift:  „Was  bedeutet  Landwehr
und  Landsturm.“  Ein  Wille  beherrschte  die  ganze  Provinz:  Das

48