brachte  er  eine  vom  Kaiser  Klexander  förmlich  ausgestellte
Urkunde  hervor,  durch  welche  er  (Stein)  einstweilig  zum  unumschränkten
  Derwalter  des  Königreichs  Dreußen  ernannt
war.  Uachdem  ich  dies  Dokument  gelesen  hatte,  gab  ich
es  Stein  mit  der  Erklärung  zurück,  daß,  wenn  er  diesen
Standpunkt  annehme,  alle  Derhandlung  unter  uns  aufgehoben
  sei.  Stein  wollte,  daß  ich  Rbschrift  nehme,  ich  erklärte
ihm  aber,  daß  ich  weder  das  Original  noch  eine  Rbschrift
davon  je  in  meinem  hause  dulden  würde.  Unser  GEespräch
wurde  ernstlich,  Stein  äußerte,  daß  er  seine  Kutorität  gleich
dadurch  dokumentieren  würde,  daß  er  die  Güter  des  Sürsten
von  Dessau  russisch  militärisch  besetzen  und  eine  Kriegskontribution
  davon  erheben  lassen  würde,  er  wollte  auch  einen
in  Berlin  sehr  bekannten  Mann,  der  jetzt  in  Dreußen  sein
müsse,  als  französischen  Spion  gleich  aufhängen  lassen  usw.
Ich  erklärte  beides  für  Zkte  der  Gewalt.  Da  es  aber
Stein,  wie  ich  es  im  voraus  wuhte,  mehr  auf  die  Sache,
als  auf  seine  Macht  ankam,  so  gab  er  bei  meinen  bestimmten
Erklärungen  sein  offizielles  Derhältnis  gänzlich  auf,  und  verlangte
  von  mir,  daß  wir  als  nahe  Freunde,  deren  politische
Richtung  gleich  sei,  miteinander  sprächen.  Und  nun  nahm
Stein  meine  obige  Erklärung  als  Basis  an,  und  wir  verabredeten,
  daß  er  nur  als  russischer  Krmeekommissarius  auftreten
und  als  solcher  mit  Zbgeordneten  des  Landes  verhandeln  solle.

Entwickele  sich  aus  dieser  Dersammlung  eine  Dolksstimme
  zur  Bewaffnung  unter  dem  Dorbehalt  der  Genehmigung
  des  Uönigs,  so  würde  diese  Stimme  sich  selbständig
und  ohne  russischen  Einfluß  stellen.

Stein  wollte  in  Königsberg  hiernach  handeln  und  wir
trennten  uns  in  voller  Freundschaft.

(Kus  den  Papieren  des  Ministers  Theodor  von  Schön.)

E.  M.  Krndt  über  die  Ereignisse  in  Königsberg.

...  Rönigsberg  gab  jetzt  auf  seine  Weise  auch  ein  recht
lebendiges  Bild  des  Kriegslebens:  wechselsweise  die  tapferen
Regimenter  des  Generals  Dorck  in  und  um  der  Stadt,  russische

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