Abscheuliche  Exekutionen  traten  vor  das  junge  Auge.
Ich  war  dreizehn  Jahre  alt,  als  ich  eines  Morgens  von  der
Sitadelle  Magdeburgs]  herauf  durch  unsere  Klosterstraße  nach
ödem  Blachfeld  vor  dem  Tore  zwei  blasse  Männer  führen  sah.
Es  war  ein  junger  und  ein  alter,  sie  waren  mit  den  händen
  aneinander  gefesselt  und  der  junge  redete  dem  alten
zu,  der  sehr  niedergeschlagen  war.  Gendarmen  ritten  vor
und  nach,  und  ein  Kommando  Infanterie  folgte.  Ich  hörte,
daß  es  ein  Dater  und  ein  Sohn  sei  und  daß  sie  erschossen  würden,
  weil  sie  bei  Kattes  Korps  gedient  hätten.  [Katte  wollte
im  Jahr  1800  als  SFreischarenführer  mit  märkischen  Bauern
Magdeburg  überrumpeln;  er  wurde  verraten.)]

Einige  Wochen  später  hörten  wir  feuern;  es  war  Schill,
der  sich  bei  Dodendorf  mit  den  Westfalen  schlug.  Ich  machte
mich,  als  diese  Sache  wieder  still  geworden  war,  an  einen
Dolzhacker,  einen  finsteren,  bärtigen  Kerl,  von  dem  es  heimlich
  bekannt  war,  daß  er  unter  dem  Darteigänger  gedient  hatte.
Er  erzählte  mir  in  den  Dausen,  wo  er  vom  Hacken  ausruhte,
flüsternd,  wie  er  nach  dem  Stralsunder  Blutbade  drei  Tage  und
drei  Nächte  in  einem  elenden  Kahne  auf  der  See  geschwommen
habe  und  endlich  von  Fischern  nach  der  Insel  Usedom  gerettet
  worden  sei.  Daß  Schill  geblieben  sei,  galt  für  eine
französische  Fabel;  er  lebe,  hieß  es,  und  werde  zu  gelegener
Seit  schon  wieder  zum  Dorschein  kommen.  Das  Dolk  läßt
seine  Lieblinge  nicht  sterben.  Es  hieß  seinen  helden  Schild,
in  dieser  Umgestaltung  des  Uamens  unabsichtlich  sein  Gefühl
aussprechend

In  phantastischer  Energie  des  hasses  entlud  sich  die  verletzte
  Empfindung  der  Jugend.  Wir.  wußten  nichts  von  Stabs
[Stapß  hatte  nach  der  Schlacht  bei  Wagram  1809  ein  Kttentat
auf  Uapoleon  gemachtl,  wir  wußten  noch  weniger  von  Georges
Tadoudal  und  Hichegru  lbeide  1804  nach  einem  ZKttentat  auf
Uapoleon  hingerichtetl,  aber  es  war  unter  den  jungen  Leuten
ein  gemeines  Gespräch,  wie  man  es  wohl  anfangen  könne,
Uapoleon  zu  erschießen  oder  zu  erstechen.  Daß  es  Sünde
sei,  einen  Menschen  zu  töten,  kam  hierbei  nicht  in  Erwägung;
nur  daß  es  den  Kopf  kosten  werde,  machte  die  Sache  be.

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