trieb  er  vergeblich  die  Waffenerhebung  Preußens  gegen  Uapoleon.
Im  Jahre  1815  war  er  Generalstabschef  Blüchers.  Am  2.  Mai  erhielt
er  bei  Großgörschen  eine  Schußwunde  in  den  Schenkel.  Uach  der
Schlacht  wollte  er  nach  Wien  eilen,  um  den  Arnschluß  csterreichs
an  die  Russen  und  PDreußen  zu  beschleunigen,  wurde  aber  in  Drag
durch  das  Saudern  des  Wiener  kabinetts  festgehalten.  Dort  starb
er,  ohne  den  Tag  der  Befreiung  gesehen  zu  haben,  am  28.  Juni
1815.

hier  lin  Breslau,  1812]  sah  ich  auch  charnhorst,  der
vor  den  neuen  Dingen  aus  Berlin  entwichen  war.  Schlank
und  eher  hager  als  woblbeleibt,  trat  er,  ja  schlenderte
er  sogar  unsoldatisch  einher,  gewöhnlich  etwas  vornüber
geneigt.  Sein  Gesicht  war  von  edler  Form  und  mit  stillen,
edlen  Sügen  ausgeprägt;  sein  blaues  Zuge  groß,  offen,
geistreich  und  schön.  Doch  hielt  er  das  Disier  seines  Antlitzes
gewöhnlich  geschlossen,  selbst  das  Kuge  halb  geschlossen,  gleich
einem  Manne,  der  nicht  Ideen  in  sich  aufjagt,  sondern
über  Ideen  ausruht.  Doch  tummelten  sich  die  Jdeen  in  diesem
hellen  Kopfe  immer  herum;  er  hatte  aber  gelernt,  seine
Gefühle  und  Gedanken  mit  einem  nur  halb  durchsichtigen,
ruhigen  Schleier  zu  umhängen,  während  es  in  seinem  Innern
kochte.  Doch  wie  sicher  und  fest  geschlossen  er  sein  Angesicht
und  die  Gebärden  desselben  auch  hielt,  er  machte  den  Eindruck
des  schlichten,  besonnenen  Mannes;  man  sah  keine  Dorlegschlösser
  vor  denselben.  So  war  sein  Wesen,  er  hatte  es
wohl  gewonnen  durch  sein  Schicksal  sowohl  als  durch  seinen
Derstand.  Er  hatte  sich  aus  niederm  Stande  emporgerungen
und  von  unten  auf  viel  gehorchen,  auch  der  Not  gehorchen
lernen  müssen.  Seine  Stellung  in  Dreußen  war  bei  aller
Anerkennung  seiner  Derdienste  durch  seinen  König  und  durch
viele  Edle  doch  die  eines  Fremdlings,  eines  beneideten  Fremdlings
  geworden;  denn  in  der  bösen  Seit,  seit  den  Jahren  1805
und  1806,  hatte  er,  von  den  Eigenen  und  Sremden  belauert
und  den  welschen  Spähern  längst  verdächtig,  auch  wo  er
Großes  und  Kühnes  schuf  und  vorbereitete,  immer  den  Unscheinbaren
  und  Unbedeutenden  spielen,  sich  freiwillig  gleichsam
  zu  einem  Brutus  machen  müssen.  Zuch  seine  Rede  war
diesem  gemäß:  langsam  und  fast  lautlos  schritt  sie  einher,
sprach  aber  in  fast  dehnendem  Ton  kühnste  Gedanken  oft  mit

79