wollte,  äußerte  sich  immer  leiser,  furchtsamer,  und  wo  er  laut
ward,  wurde  er  von  den  Momenten  der  vernichtenden  Begeisterung
  überrannt;  das  war  das  „Dorwärts“,  welches
als  die  vollendete  Gestalt  in  den  langjährigen  Seiten  des
Drucks,  in  sich  lebendig,  stark  durch  politische  Weisheit  und
kriegerische  Kunst,  mächtig  hervortrat,  und  Deutschlands  edelster
selbständiger  Geist  war  ihre  Seele.  (Steffens,  Was  ich  erlebte.)

Cneisenau.
August  raf  Reithardt  von  Gneisenau,  preußischer  Generalfeldmarschal,
  geb.  27.  Oktober  1760  zu  Schilda  (Drovinz  Sachsen)

als  der  Sohn  eines  sächsischen  Krtillerieleutnants  von  UMeithardt,
aus  alter  österreichischer  gFamilie.  Die  Mutter,  die  ihrem  Gatten
in  den  7  jährigen  Krieg  gefolgt  war,  verlor  eines  Nachts  den  Säugling
  vom  Wagen.  Ein  Soldat  hob  ihn  auf  und  brachte  ihn  am
Morgen  der  verzweifelten  Frau  wieder.  So  wurde  dem  deutschen
Dolk  einer  seiner  edelsten  Männer  gerettet.  Gneisenau  wuchs  in
armseligen  VDerhältnissen  auf;  lein  Eroßvater  von  Mutterseite  nahm
den  Neunjährigen  nach  Würzburg  und  schickte  ihn  in  die  Jesuitenschule.
  1772  kehrte  er  ins  Daterhaus  nach  Erfurt  zurück,  ging  1777
auf  die  dortige  kurmainzische  Universität,  trat  1770  in  ein  österreichisches
  Regiment  zu  Erfurt,  1780  in  den  Dienst  des  Markgrafen
Klexander  von  Bayreuth-Ansbach  ein.  1782  wurde  er  Offizier
und  nahm  nach  einem  österreichischen  Familiengut  den  Ramen  Keithardt
  von  GEneisenau  an.  Im  nämlichen  Jahre  ging  er  in  englischem
  Sold  mit  seinem  Regiment  nach  Amerika  und  kämpfte  gegen
die  aufständischen  Kolonien.  Er  gewann  dort  neue  Knuschauungen
über  das  Dolksheer  und  seine  Kriegführung.  1786  wird  er  von
Friedrich  dem  Großen  in  die  preußische  Krmec  aufgenommen  und
nach  Löwenberg  in  Schlesien  versetzt.  Mit  kurzer  Unterbrechung,
1793/94,  stand  Gneisenau  10  Jahre  lang  in  kleinen  Garnisonen,
zuletzt  in  Jauer.  Der  langweilige  Dienst  konnte  aber  seinen  hochstrebenden
  Geist  nicht  beugen.  Er  nützte  die  Seit  zu  seiner  militärischen
  und  politischen  Ausbildung.  Im  Jahre  1806  kämpfte  er  bei
Saalfeld  mit  und  wurde  1807  als  Kommandant  nach  Kolberg  an  der
Ostsee  geschickt.  Er  hielt  die  schwer  bedrängte  Festung  drei  Monate
  lang,  bis  zum  Kbschluß  des  Friedens  von  Uilsit.  Mit  Stein  und
Scharnhorst  arbeitete  er  an  der  Wiedererneuerung  des  preußischen
Staates,  nahm  aber  nach  der  Entlassung  Steins,  dem  Uönige  durch
die  französische  Dartei  am  Hofe  verdächtigt,  seinen  RKbschied.  Friedrich
  Wilhelm  III.  hatte  für  den  genialen  Mann  nur  wenig  Derständnis.
  Uach  längeren  Reisen  kehrte  Gneisenau  1813  aus  England
  zurück,  wurde  Generalquartiermeister  und  nach  Scharnhorsts
Tode  Generalstabschef  des  Schlesischen  heeres.  Kls  solcher  wußte  er
Blüchers  stürmische  Initiative  meisterhaft  zu  leiten  und  harrte  auch
in  den  hundert  Tagen  in  seiner  entsagungsreichen  Stellung  aus.
Der  Kbmarsch  des  Schlesischen  Beeres  vom  Schlachtfelde  von  Lignn

84