auf  das  von  Waterloo  und  die  zähe  Derfolgung  der  französischen
heerestrümmer  nach  dem  Sieg  bei  Waterloo  sind  Gneisenaus  unsterbliches
  Derdienst.  Gneisenau  hat  niemals  selbständig  ein  Heer
geführt,  dennoch  war  er  ein  großer  Feldherr:  scharf  berechnend
in  seinen  Plänen,  kühn  im  Knugriff,  rastlos  in  der  Derfolgung.
In  ihm  waren  die  schönsten  Naturgaben  mit  einem  ritterlichen
Tharakter  und  der  hohen  Bildung  seines  Seitalters  zu  einer  vollendeten
  Dersönlichkeit  vereinigt.  —  Gneisenau  wurde  als  Feldmarschall
  zu  Dosen  am  24.  Kugust  1831  von  der  Cholera  hingerafft.

Gneisenau  war  ein  Mann  von  52  Jahren,  als  ich  ihn
im  Winter  1812  zuerst  sah,  in  Haltung,  Schritt  und  Gebärde
einem  Dreißiger  ähnlich.  Sein  Bau  war  stattlich  und  seine
Glieder  löwenartig,  Schultern  und  Brust  breit,  von  der
Hüfte  bis  zur  Fußsohle  alles  stark,  rund  und,  wo  es  fein
sein  mußte,  an  Füßen  und  Gelenken,  alles  zierlich  und  beweglich
  gebildet;  er  stand  und  schritt  wie  ein  geborner
Held.  Diesen  Leib  kräftigsten  Wuchses  etwas  über  Mittellänge
krönte  ein  prächtiger  Kopf:  eine  offene,  breite,  heitere  Stirn,
volles,  dunkles  Haupthaar,  schönste,  große,  blaue  Kugen,  die
ebenso  freundlich  als  trotzig  blicken  und  blitzen  konnten,
eine  grade  Uase,  voller  Mund,  rundes  Kinn,  Kusdruck  von
Männlichkeit  und  Schönheit  in  allen  Sügen.  Zuf  der  Stirn
eine  vernarbte  längliche  Grube.  „Diese  Grube,“  pflegte
er  lächelnd  zu  sagen,  „macht  mir  öfter  Arger  und  Langeweile,
wenn  die  Leute  wissen  wollen,  in  welcher  Schlacht  ich  diese
Wunde  davongetragen,  und  ich  sie  mit  der  schlechten  Antwort
abfertigen  muß:  Ein  Füllen  ist  der  held,  der  sie  dem  Knaben
geschlagen  hat.“

Dieser  schöne  Mensch  war  eine  leidenschaftliche  und
feurige  Natur,  und  kühne  Triebe  und  Gedanken  fluteten  unaufhörlich
  in  ihm  hin  und  her.  Und  ebenso  war  sein  Angesicht.
wenn  er  nicht  zuweilen,  —  was  ihm  selten  begegnete,  —  in
eine  halbträumende  und  sinnende  Kbspannung  fiel,  immer  von
einer  wallenden  und  geistigen  Flut  übergossen,  welche  seine
Gesichtszüge  selten  stillstehen  ließ.  Dadurch  ist  es  geschehen,
daß  dieser  schönste  Männerkopf  in  seiner  eigensten,  sichersten
Bedeutung  sehr  schwer  zu  fassen  und  festzuhalten  war,  so  daß
wer  ihn  gekannt  hat,  durch  kein  Gemälde  und  keinen  Kupferstich
  von  ihm  befriedigt  worden  ist.  Diese  Geistigkeit,  die  sich

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