auf  dem  edlen  Antlitz  in  den  leichtesten,  beweglichsten  Wechseln
malte  und  abspiegelte,  drückte  sich  in  allen  Gefühlen,  Stimmungen,
  beide  der  Liebe  und  des  Sorns,  der  Freude  und  des
Unmuts  auf  das  liebenswürdigste  und  gewaltigste  aus.  Dieser
Kopf,  der  gewöhnlich  rasche  Kühnheit  und  fliegende  Freudigkeit
aussprach,  hatte  doch  auch  seine  Zugenblicke,  wann  gelungene
Entwürfe  und  edle  hoffnungen  durch  Leigheit  oder  Schlechtigkeit
der  Ueidischen  und  Dummen  gehemmt  oder  vereitelt  waren,  wo
er  eben  durch  die  Innigkeit  des  herzens  und  die  Gewalt  der  Gefühle
  beschattet  und  bewölkt  war,  daß  er  den  Mann,  welchen
man  nur  als  einen  Oierziger  vor  sich  zu  sehen  geglaubt  hatte,
in  einem  plötzlichen  Dunkel  gleichsam  wie  einen  gealterten
Greis  zeigte.  Ich  habe  keinen  so  geschwinden  Wechsel  an
keinem  Manne  gesehen.  Kber  sobald  der  Sonnenschein  der
Lust  und  Hhoffnung  wieder  schien,  stand  der  kühne  und  geistige
Jüngling  in  voller  männlicher  herrlichkeit  wieder  vor  dir.

Diese  edle  Gestalt,  dieser  geschwinde  Mut  und  geflügelte
Geist,  einer  von  Platos  Gefiederten,  war  auch  durch  innerste
Schönheit  der  Seele  geadelt;  das  Edle,  Stolze,  hochherzige  leuchtete
  wie  ein  lieblicher  Jonnenschein  aus  allen  seinen  Bewegungen
und  Sügen.  Man  konnte  in  seinen  glücklichen  Augenblicken  ordentlich
  wie  in  Freude  und  Derehrung  vor  dieser  erhabenen  Erscheinung
  still  stehen  und  sich  still  zurufen:  Sieh!  hier  ist
einmal  ein  ganz  wohlgeborener,  harmonischer  Mensch.  Bei
gewaltigem  Ungestüm  und  bei  unendlicher  Beweglichkeit  die
seltenste  herrschaft  über  die  Triebe;  selbst  im  Unmut  und
Sorn,  worin  er  sich  über  fremde  UHiederträchtigkeiten  und
Schleichereien  wohl  ergießen  konnte,  stand  die  Gebärde  des
Mannes  unter  höherer  Gewalt,  und  die  Sprache  behielt  den
Klang  des  helden,  sie  verwirrte  und  verschnob  und  verblies
  sich  nie  zu  der  widerlich  schrillenden  Feinheit  oder
dumpfen  Grobheit  der  Uöne,  wodurch  die  Jähzornigen  uns
häufig  erschrecken.  Solche  adlige,  ja  solche  erhabene  Krt  in
haltung,  Bewegung,  Gebärdung  und  Rede  war  freilich  in
ihrer  Anlage  von  Gott  gegeben;  aber  es  entging  niemand:
sie  war  auch  durch  Kunst  geübt  und  gebildet.

(Arndt,  Kleine  Schriften.  Gneisenau.)

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