seine  Lieblingsunterhaltung  waren  unzüchtige  Reden;  der
vertraute  Umgang  mit  nichtswürdigen  Weibern,  die  mit
seinen  grauen  haaren,  seinem  Stolz,  seiner  Würde  kontrastierten,
  machte  ihn  noch  verächtlicher;  er  untergrub  den
alten  preußischen  Geist  der  Iparsamkeit  und  des  Gehorsams,
und  als  er  starb,  hinterließ  er  die  Finanzen  zerrüttet  und  die
Staatsgeschäfte  in  den  händen  einer  Überzahl  schlecht  ausgewählter
  Beamten.  Nicht  nach  dem  Großen  und  Guten  strebte
er  um  des  Eroßen  und  Guten  willen,  sondern  als  Mittel  zu
eignem  Ruhm,  daher  begriff  er  es  nicht,  erreichte  es  nicht
und  ging  dahin  nicht  geachtet,  nicht  betrauert.

(Stein,  Cebenserinnerungen.)

Wilhelm  von  Humboldt  über  hardenberg.

Wilhelm  Freiherr  von  Humboldt,  geb.  22.  Juni  1767  zu
Dotsdam.  Gleich  seinem  jüngeren  Bruder  Klexander  ist  er  einer
der  bedeutendsten  Dertreter  deutscher  Wissenschaft  und  Bildung.
Sein  Eeist  ist  von  erstaunlicher  Dielseitigkeit,  Ichärfe  und  Tiefe.
Die  höchste  mögliche  Kusbildung  der  Hersönlichkeit,  die  „Totalität"
des  Menschen  anstrebend,  wandte  er  sich  neben  dem  Studium  der
Rechte  den  Kltertumswissenschaften,  der  ästhetik  der  Philosophie,
den  Sprachwissenschaften  zu.  Mit  Schiller,  später  mit  Goethe,
verband  ihn  ein  nahes  freundschaftliches  Derhältnis.  Anfänglich
jeder  öffentlichen  Laufbahn  abhold  und  fast  ausschließlich  mit  der
Kultur  seines  Geistes  beschäftigt,  trat  er  doch  nach  mannigfachen
Reisen  in  den  Staatsdienst.  1800,  in  der  Not  der  Seit,  übernahm
er  auf  Steins  Dorschlag  die  Leitung  der  „geistlichen  und  Unterrichtsangelegenheiten“
  in  Dreußen.  Die  Gründung  der  Universität
Berlin  1810  ist  hauptsächlich  Humboldts  Werk.  So  sicherte  er
Dreußen,  wie  Gneisenau  forderte,  den  „Hrimat  der  Wissenschaft"
mitten  in  der  tiefsten  äußeren  Bedrängnis  des  Landes.  In  den
Jahren  1813—1815  stand  Humboldt  mit  dem  Staatskanzler  Hardenberg
  in  den  diplomatischen  Verhandlungen  in  der  vordersten
Linie  und  vertrat  die  preußischen  Interessen  mit  der  unübertrefflichen
  Kunst  seiner  eindringenden  und  überlegenen  Verstandeskraft.
  Nach  dem  Kriege  verfeindete  er  sich  mit  Zardenberg  und
konnte  deshalb  zu  keiner  tiefgreifenden  Wirkung  im  Staatsdienste
mehr  gelangen.  Seit  1819  lebte  er  in  Tegel  bei  Berlin.  Er  starb
am  8.  Kpril  1835  zu  Tegel.

Wenn  man  einem  Dichter  hätte  aufgeben  wollen,  einen
poetischen  Tharakter  für  die  preußischen  Derhältnisse  zu  erfinden,
  so  hätte  er  keinen  glücklicheren  darstellen  können  als
den  Sürsten  Hardenberg.  (Aach  Parthey,  Erinnerungen.)

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