eignes  Wesen,  in  Beziehung  auf  seine  zweite  und  höchste  Be—

stimmung,  nicht  anders,  als  mit  Verehrung  und  die  Gesetze

derselben  mit  der  höchsten  Achtung  betrachten  muß.
(Kant,  Kritik  der  praktischen  Vernunft.)

Goethe  und  Schiller.

Es  ist  wahr  und  muß  immer  wiederholt  werden:  die
Deutschen  hatten  in  jenen  Leidensjahren  nur  in  der  großen
Dichtung  das  Evangelium,  welches  sie  zur  Gemeine  machte,
sie  über  der  materiellen  Not,  über  dem  Derlieren  in  eine
wüste  Derzweiflung  emporhielt.  Namentlich  sind  Goethe
und  Schiller  die  beiden  Kpostel  gewesen,  an  deren  Predigt
sich  das  deutsche  Dolk  zu  Mut  und  hHoffnung  auferbaute.
Es  ist  mehr  als  sündlich,  wenn  dieses  unsterbliche  Derdienst
nachmals  hin  und  wieder  in  stumpfsinniger  oder  heuchlerischer
Mäkelei  hat  vergessen  werden  wollen.  Die  „Eoangelische
Kirchenzeitung“  und  die  mit  ihr  trollende  Lämmleinsbrüderschaft
  hat  den  beiden  ihr  heidentum  aufgestochen,  und  mancher
  meint  etwas  recht  Kluges  gesagt  zu  haben,  wenn  er
von  sich  gibt,  daß  Goethe  doch  keine  Religion  habe.  Er
hatte  die  Religion,  ein  großer  Mann  zu  sein  und  den  Zusländern
  Bewunderung  abzuzwingen,  während  wir  anderen
vor  ihnen  im  Staube  knirschten.  (Immermann,  Memorabilien.)

Goethe.

Kriegslieder  schreiben  und  im  Simmer  sitzen  —  das
wäre  meine  Krt  gewesen!  Kus  dem  Biwak  heraus,  wo  man
nachts  die  DPferde  der  feindlichen  Dorposten  wiehern  hört:
da  hätte  ich  es  mir  gefallen  lassen.  Aber  das  war  nicht
mein  TLeben  und  nicht  meine  Sache,  sondern  die  von  Theodor
  Körner.  Ihn  kleiden  seine  Kriegslieder  auch  ganz  vollkommen.
  Bei  mir  aber,  der  ich  keine  kriegerische  Natur  bin
und  keinen  kriegerischen  Sinn  habe,  würden  Kriegslieder
eine  Maske  gewesen  sein,  die  mir  sehr  schlecht  zu  Gesicht
gestanden  hätte.  (Gu  Eckermann  am  6.  März  1830.)

Schiller,  der  Dichter  der  HFreiheit.
Durch  alle  Werke  Schillers  geht  die  Idee  von  Freiheit,

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