wo  sich  dieses  verbirgt,  da  ist  für  sie  hemmung  und  Angstigung,
  Uot  und  Uod.  Und  so  ist  sie  freilich  ein  Leben  in
der  unendlichen  Natur  des  Ganzen,  im  Einen  und  Kllen,  in
Gott,  habend  und  besitzend  alles  in  Gott  und  Eott  in  allem.

(Schleiermacher,  Über  die  Religion.  Reden  an  die  ebildeten  unter
ihren  Derächtern.  Sweite  Rede.)

Fichte.

Johann  Gottlieb  Fichte,  geb.  19.  Mai  1762  zu  Rammenau
bei  Bischofswerda  in  der  Oberlausitz  als  der  Sohn  eines  Bandwirkers.
Ursprünglich  Theologe,  wandte  er  sich  der  Philosophie  zu.  Rls
Hauslehrer  in  Sürich,  1788—1790,  lernte  er  DPestalozzi  kennen
und  wurde  1791  Kants  Schüler.  17093  erhielt  er  eine  Professur
für  Philosophie  in  Jena.  Dort  lebte  er  im  Kreise  der  Romantiker,
  deren  philosophische  Ideen  in  Sgichtes  System  ihr  erstes
wissenschaftliches  Rüstzeug  hatten.  Der  berüchtigte  „Ktheismusstreit"
  vertrieb  ihn  aus  Jena.  Das  kurfürstlich  sächsische  Konsistorium
  beschuldigte  ihn  wegen  eines  Zufsatzes  „Über  den  GErund
unseres  Elaubens  an  eine  göttliche  Weltregierung“  atheistischer
Lehren.  Die  Untersuchung  spitzte  sich  so  zu,  daß  Fichte  mit  seinem
Kbschied  drohte;  da  ließ  ihn  4h  die  weimarische  Regierung
(Goethe)  fallen,  die  mit  den  andern  sächsischen  Staaten  die  Universität
  Jena  verwaltete.  Sichte  lehrte  nun  vorübergehend  in
Berlin,  Erlangen  und  Uönigsberg.  Nach  dem  Lilsiter  Frieden
(1807)  kehrte  er  nach  Berlin  zurück  und  hielt  dort  1808  in  der
von  einer  starken  französischen  Garnison  besetzten  Stadt  seine
„Reden  an  die  deutsche  Nation",  die  eine  gewaltige  Wirkung
übten.  1800  wurde  Sichte  Hrofessor  an  der  neuerrichteten  Universität
  Berlin.  Die  sittliche  Energie  von  Sichtes  Charakter,
die  Leidenschaft  seines  Erkenntnistriebes,  der  Beroismus  seiner
Weltanschauung,  die  in  der  Welt  „das  Material  der  HPflicht"  sieht,
machen  ihn  zu  einem  der  größten  Erzieher  des  deutschen  Volkes.
—  Sichte  erlag  dem  Hospitalfieber,  das  durch  seine  Frau  auf  ihn
übertragen  wurde.  Sie  genas,  er  starb  am  27.  Januar  1814.

Don  der  wahren  Daterlandsliebe.

Die  Liebe,  die  wahrhaftig  Liebe  sei,  und  nicht  bloß
eine  vorübergehende  Begehrlichkeit,  haftet  nie  auf  Dergänglichem,
  sondern  sie  erwacht  und  entzündet  sich  und  ruht
allein  in  dem  Ewigen.  Richt  einmal  sich  selbst  vermag  der
Mensch  zu  lieben,  es  sei  denn,  daß  er  sich  als  Ewiges  erfasse;
außerdem  vermag  er  sich  sogar  nicht  zu  achten,  noch  zu
billigen.  Noch  weniger  vermag  er  etwas  außer  sich  zu

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