Nach  geschlossener  Rede  eilte  ich  zu  meiner  Jamilie,
um  sie  zu  beruhigen;  dann  nach  wenigen  Minuten  stand  ich
wieder  in  der  einsamen  Stube.  „Das  ist's  nun  getan“,  sprach
ich  und  fühlte  mich  erleichtert,  als  wäre  eine  schwere  Last  mir
von  der  Brust  gewälzt.  Aber  eine  neue  Sorge  drängte
sich  mir  auf:  „Jetzt,“  sagte  ich  mir,  „nach  dieser  Stunde,  ist
deine  ganze  Stellung  im  Leben  verändert,  du  bist  durch  dein
Versprechen  ein  Krieger  geworden,  und  wie  soll  der  Cntschluß
  ausgeführt  werden?  was  muß  nun  weiter  geschehen?"

Ich  konnte  mir  keine  deutliche  vorstellung  davon  machen.
Ich  hatte  mich  keinem  anvertraut,  ich  stand  völlig  ratlos  da.
plötzlich  ging  mir  ein  Licht  auf.  „Su  ihm  lcharnhorst)
mußt  du  eilen,  er,  wenn  irgendeiner,  wird  deine  Tat  billigen,
er  wird  dir  am  besten  sagen,  was  du  zu  tun  hast.“

Steffens  wird  von  dem  Gang  zu  Scharnhorst  durch  zahlreichen
zustimmenden  Besuch  abgehalten.

Uoch  waren  diese  Besuche  nicht  verschwunden,  fast  eine
unglückliche  Itunde  war  verflossen,  als  Professor  Zugusti,  der
damalige  Rektor  der  Universität,  erschien.  Er  habe,  sagte  er,
etwas  äußerst  Wichtiges  mit  mir  allein  zu  sprechen  „Ich
komme“,  sagte  er  mir  in  einem  feierlichen  Tone,  „von  dem
Staatskanzler“.  St.  Marsan,  der  französische  Gesandte,  war,
als  er  das  laute  Gerücht  von  meiner  Rede  vernommen  hatte,
zum  Staatskanzler  geeilt.  Wenige  Tage  nachher  teilte  mir
dieser  selbst  den  Inhalt  des  Gesprächs  mit.  „Sagen  Sie  mir,“
hatte  er  geäußert,  „was  das  zu  bedeuten  hat?  Wir  glauben
mit  Ihnen  in  Frieden  zu  leben,  ja,  wir  betrachten  sie
als  unsern  Bundesgenossen,  und  nun  wagt  es  ein  Universitätslehrer
  unter  den  Qugen  des  Königs  uns  den  Krieg  zu  erklären!“
  —  hardenberg  antwortete  dem  wohlwollenden
Freunde,  dessen  bedenkliche  Stellung  er  auf  jede  Weise  zu
schonen  suchte,  folgendermaßen:  „Die  Gesinnung  des  Volkes,
der  Jugend,  kann  Ihnen  kein  Eeheimnis  sein;  die  Rede
konnten  wir  nicht  verhindern;  daß  sie  gehalten  wurde,  erfuhren
  wir  erst,  als  sie  geendigt  war.  Der  König  desavouiert
sie.  Fordern  Sie  Genugtuung,  die  soll  Ihnen  werden.  Zber  wir
dürfen  Ihnen  nicht  verheimlichen,  daß  ein  jeder  Schritt  gegen

114