Vor  zwei  Jahren  hätte  ich  es  so  nennen  lassen;  jetzt,
da  ich  weiß,  welche  Seligkeit  in  diesem  Leben  reifen  kann,
jetzt,  da  alle  Sterne  meines  Elücks  in  schöner  Milde  auf  mich
niederleuchten,  jetzt  ist  es,  bei  Gott,  ein  würdiges  Gefühl,
das  mich  treibt,  jetzt  ist  es  die  mächtige  Überzeugung,  daß  kein
Opfer  zu  groß  sei  für  das  höchste  menschliche  Gut,  für  seines
Volkes  Freiheit.  Dielleicht  sagt  Dein  bestochenes  väterliches
herz:  Theodor  ist  zu  größeren  Swecken  da,  er  hätte  auf
einem  anderen  Helde  Wichtigeres  und  Bedeutendes  leisten
können,  er  ist  der  Menschheit  noch  ein  großes  Pfund  zu  berechnen
  schuldig.  Aber,  Dater,  meine  Meinung  ist  die:  zum
Opfertode  für  die  Freiheit  und  für  die  Ehre  der  Nation  ist
keiner  zu  gut,  wohl  aber  sind  viele  zu  schlecht  dazu!  hat  mir
Gott  wirklich  etwas  mehr  als  gewöhnlichen  Geist  eingehaucht,
der  unter  deiner  Pflege  denken  lernte,  wo  ist  der  Zugenblick,
wo  ich  ihn  nicht  mehr  geltend  machen  kann!  Eine  große  Seit
will  große  hHerzen,  und  ich  fühl'  die  Kraft  in  mir,  eine  Klippe
sein  zu  können  in  dieser  Dölkerbrandung,  ich  muß  hinaus  und
dem  Wogensturme  die  mutige  Brust  entgegendrücken.

Soll  ich  in  feiger  Begeisterung  meinen  siegenden  Brüdern
meinen  Jubel  nachleiern?  Soll  ich  Komödien  schreiben  auf
dem  Spotttheater,  wenn  ich  den  Mut  und  die  Kraft  mir
zutraue,  auf  dem  Theater  des  Ernstes  mitzusprechen?  Ich
weiß,  Du  wirst  manche  Unruhe  erleiden  müssen,  die  Mutter
wird  weinen!  Gott  tröste  sie!  Ich  kann's  Euch  nicht  ersparen.
Des  Glückes  Schoßkind  rühmt'  ich  mich  bis  jetzt;  es  wird  mich
jetzo  nicht  verlassen.  Daß  ich  mein  Leben  wage,  das  gilt  nicht
viel;  daß  aber  dies  Leben  mit  allen  Blütenkränzen  der  Ciebe,
der  Freundschaft,  der  Freude  geschmückt  ist,  und  daß  ich  es
doch  wage,  daß  ich  die  suße  Empfindung  hinwerfe,  die  nur
in  der  Überzeugung  lebte,  Euch  keine  Unruhe,  keine  Angst
zu  bereiten,  das  ist  ein  Opfer,  dem  nur  ein  solcher  DPreis
entgegengestellt  werden  darf.  Sonnabend  oder  Montag  reise
ich  von  hier  ab,  wahrscheinlich  in  freundlicher  Gesellschaft:;
vielleicht  schickt  mich  auch  [Wilhelm  von]  Humboldt  als  Kurier.
In  Breslau,  als  dem  Sammelplatze,  treffe  ich  zu  den  freien
Söhnen  reußens,  die  in  schöner  Begeisterung  sich  zu  den

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