Wo  dir  Gottes  Sonne  zuerst  schien,  wo  dir  die  Sterne
des  himmels  zuerst  leuchteten,  wo  seine  Blitze  dir  zuerst
seine  Allmacht  offenbarten,  und  seine  Sturmwinde  dir  mit
heiligen  Schrecken  durch  die  Seele  brauseten,  da  ist  deine
Liebe,  da  ist  dein  Daterland.

Wo  das  erste  Menschenaug  sich  liebend  über  deine  Wiege
neigte,  wo  deine  Mutter  dich  zuerst  mit  Sreuden  auf  dem
Schoße  trug,  und  dein  Vater  dir  die  Lehren  der  Weisheit
und  des  Christentums  ins  herz  grub,  da  ist  deine  Ciebe,
da  ist  dein  Vaterland.

Und  seien  es  kahle  Felsen  und  öde  Inseln,  und  wohne
Armut  und  mühe  dort  mit  dir,  du  mußt  das  Land  ewig  lieb
haben;  denn  du  bist  ein  Mensch  und  sollst  nicht  vergessen,
sondern  behalten  in  deinem  hHerzen.

Kuch  ist  die  Freibeit  kein  leerer  Traum  und  kein  wüster
Wahn,  sondern  in  ihr  lebt  dein  Mut  und  dein  Stolz  und  die
Gewißheit,  daß  du  vom  himmel  stammest.

Da  ist  Sreiheit,  wo  du  leben  darfst,  wie  es  dem  tapfern
herzen  gefällt;  wo  du  in  den  Sitten  und  Weisen  und  Gesetzen
der  Däter  leben  darfst;  wo  dich  beglücket,  was  schon  deinen
Ureltervater  beglückte;  wo  keine  fremden  henker  über  dich
gebieten  und  keine  fremden  Treiber  dich  treiben,  wie  man
das  Dieh  mit  dem  Stecken  treibt.

Dieses  Daterland  und  diese  Freiheit  sind  das  Kllerheiligste
  auf  Erden,  ein  Schatz,  der  eine  unendliche  Liebe
und  Treue  in  sich  verschließt,  das  edelste  Gut,  was  ein
guter  Mensch  auf  Erden  besitzt  und  zu  besitzen  begehrt.

Darum  auch  sind  sie  gemeinen  Seelen  ein  Wahn  und  eine
Torheit  allen,  die  für  den  Zugenblick  leben.

Kber  die  Tapfern  heben  sie  zum  himmel  empor  und
wirken  Wunder  in  dem  herzen  der  Einfältigen.

Kuf  denn,  redlicher  Deutscher!  Bete  täglich  zu  Gott,  daß
er  dir  das  herz  mit  Stärke  fülle  und  deine  Seele  entflamme
mit  Suversicht  und  Mut.

Daß  keine  Ciebe  dir  heiliger  sei  als  die  Liebe  des  Vaterlandes
  und  keine  Freude  dir  süßer  als  die  Freude  der
Freiheit.

10.  147