Aus  Schleiermachers  Predigt  vom  28.  März  1813.

(Sum  Besten  der  Kuszurüstenden  gedruckt.)
Schleiermacher  verlas  in  dieser  Dredigt  den  Kufruf  des  Königs:
An  mein  Dolk  und  den  Zufruf  zur  Landwehr  von  der  Kanzel
der  Dreifaltigkeitskirche  zu  Berlin.

Text.
Jerem.  XVII,  5—8.

So  spricht  der  herr:  Derflucht  ist  der  Mann,  der  sich
auf  Menschen  verläßt,  und  hält  SFleisch  für  seinen  Krm,  und
mit  seinem  herzen  vom  herrn  weicht!  Der  wird  sein  wie
die  Heide  in  der  Wüste,  und  wird  nicht  sehen  den  zukünftigen
Trost;  sondern  wird  bleiben  in  der  Dürre  in  der  Müste,  in
einem  unfruchtbaren  Lande,  da  niemand  wohnt.  Gesegnet
aber  ist  der  Mann,  der  sich  auf  den  Herrn  verläßt,  daß  der
herr  seine  Suversicht  ist.  Der  ist  wie  ein  Baum  am  Wasser
gepflanzet  und  am  Bach  gewurzelt.  Denn  obgleich  eine  hitze
kommt,  fürchtet  er  sich  doch  nicht,  und  sorget  nicht,  wenn  ein
dürres  Jahr  kommt;  sondern  er  bringt  ohne  ufhören  Früchte.

Und  Jerem.  XVIII,  7—10.

Plötzlich  rede  ich  wider  ein  Dolk  und  Königreich,  daß
ich  es  ausrotten,  zerbrechen  und  verderben  wolle;  wo  sich
es  aber  bekehret  von  seiner  Bosheit,  dawider  ich  rede,  so  soll
mich  auch  reuen  das  Unglück,  das  ich  ihm  gedacht  zu  tun.
Und  plötzlich  rede  ich  von  einem  Dolk  und  Königreich,  daß
ich  es  bauen  und  pflanzen  wolle:  so  es  aber  Böses  tut  vor  meinen
  Zugen,  daß  es  meiner  Stimme  nicht  gehorcht,  so  soll  mich
auch  reuen  das  Gute,  das  ich  ihm  verheißen  hatte  zu  tun.  —

Nicht  etwa,  wie  es  wohl  scheinen  könnte,  um  eine  Dergleichung
  anzustellen  zwischen  uns  und  dem  Volke,  gegen
welches  wir  zu  Lelde  ziehn,  habe  ich  diese  Worte  des  PDropheten
  unserer  Betrachtung  zum  Grunde  gelegt;  sondern  nur  um
in  unserer  eigenen  Geschichte  das  Entgegengesetzte  recht  zu
unterscheiden,  um  uns  auf  das  Wesentliche  der  großen  Deränderung
  hinzuführen,  deren  wir  uns  erfreuen.  Denn  m.  Fr.
an  dieser  Stätte  geziemt  uns  nicht  die  Freude  nur  darüber,
daß  Druck  und  Leiden,  unter  denen  wir  lange  geseufzt  haben,
nun  aufhören,  nicht  die  Freude,  welche  uns  heitere  Bilder

155