dem  herrn  weicht.  Unredlicher  Gewinn  vergrößerte  unser
Gebiet  auf  eine  mehr  scheinbare  als  gedeihliche  Weise,  denn
wir  gewannen  nur  wenig  wahre  Brüder,  die  gern  denselben
Gesetzen  folgten  und  auf  dasselbe  Ziel  arbeiteten;  indem
andere  Staaten  sich  anstrengten  und  aufrieben  in  immer
wiederholten  Kriegen  zum  Teil  um  dieselbigen  hohen  Güter,
für  die  wir  jetzt  kämpfen  wollen,  meinten  wir  durch  die  Ruhe
immer  mächtiger  zu  werden  und  furchtbarer.  So  folgte  allmählich
auf  die  trotzige  Klugheit  eine  verzagte,  und  wir  wurden  noch
auf  eine  andere  Weise  der  Mann,  der  sich  auf  Menschen  verläßt;
  denn  auch  wer  Menschen  schmeichelt  und  sie  fürchtet,
verläßt  sich  auf  Menschen.  Mit  unserm  Ruhm  selbst  ward  auch
unser  Ehrgefühl  je  länger  je  mehr  ein  Schattenbild.  Und
immer  mehr  wich  unser  herz  von  dem  herrn;  in  einem  aufgeblasenen
  unnatürlichen  Wohlstand  verloren  sich  immer  mehr
die  alten  Tugenden,  eine  Slut  von  Eitelkeit  und  Verschwen—
dung  verheerte  die  mühsamen  Werke  langer  besserer  Jahre;
und  wie  deutlich  sich  auch  die  Stimme  des  herrn  vernehmen
ließ  und  uns  ermahnte  zur  Buße,  wir  gehorchten  ihm  nicht,
wir  taten  Böses  vor  seinen  Zugen,  und  darum  reuete  ihn
auch  das  Gute,  das  er  verheißen  hatte,  uns  zu  tun.

Und  plötzlich,  als  es  eben  schien,  wir  wollten  uns  auf—
raffen  aus  der  langen  Derblendung  und  Betäubung  —  plötzlich
  redete  der  herr  wider  uns  als  wider  ein  Dolk  und  Königreich,
  das  er  ausrotten,  zerbrechen  und  verderben  wollte.
Da  überfiel  uns  jenes  schwere  zermalmende  Kriegsunglück,
und  auf  diesen  plötzlichen  Sturz  von  der  höhe  in  den  Kbgrund
  folgte  das  immer  tiefer  und  schmerzlicher  sich  eingrabende
  Derderben  des  Friedens  die  traurige  Gewöh-=nung,
  Unwürdiges  fortwährend  zu  erdulden,  wie  wir  sie
öoffentlich  und  einzeln  in  diesen  sieben  düstern  Jahren  geübt
haben,  mit  dem  Gefühl,  daß  dem  gerechten  Unwillen  freien
Lauf  lassen,  das  Übel  nur  mehren  könne,  ohne  irgendeinen
heilsamen  Erfolg,  diese  Gewöhnung  und  dieses  Gefühl  sind
die  Frucht  der  Schlaffheit,  der  Entnervung,  der  SFeigherzigkeit...
  Die  Unmöglichkeit,  in  der  wir  uns  so  oft  befanden,
ohne  Lug  und  Urug  der  augenblicklichen  Gefahr  zu  entgehen,

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