mir  bekannt  zu  sein  schienen.  Kaum  traute  ich  meinen  Augen,
als  ich  sah,  daß  es  Goethe  war.  Ich  war  als  Sreund  seines
Sohnes  und  als  begünstigter  Ballbegleiter  seiner  tanzlustigen
Hrau  Gemahlin  oft  in  seinem  hause  gewesen  ..  Mit  militärischem
  Anstande  einer  Ordonnanz  trat  ich  nun  an  den
Wagen  heran  und  sagte:  »Euer  Exzellenz  melde,  daß  eine
Kbteilung  der  königlich  preußischen  Freischar  der  schwarzen
Jäger  auf  dem  Durchmarsch  nach  Leipzig  vor  Ihrem  GQuartier
aufmarschiert  ist  und  Euer  Exzellenz  die  Honneurs  zu  machen
wünscht.  Der  Feldwebel  kommandierte:  »Präsentiert  das
Gewehr  &amp;  —  und  ich  rief:  »Der  Dichter  aller  Dichter,  Goethe,
lebe  hoch  x  Mit  hurra  und  hörnerklang  stimmte  die  ganze
Kompagnie  ein.  Er  faßte  mit  der  hHaltung  eines  Eenerals
an  seine  Mütze  und  nickte  freundlich.  Uun  trat  ich  noch  einmal
heran  und  sagte  ihm:  „Es  hilft  Euer  Exzellenz  das  Inkognito
nicht;  die  schwarzen  Jäger  haben  scharfe  Zugen,  und  bei
unserem  ersten  Kusmarsch  Goethe  zu  begegnen,  ist  ein  zu
günstiges  Seichen,  als  daß  wir  es  sollten  vorüberlassen.  Wir
bitten  um  Ihren  Waffensegen.  »Von  herzen  gern,  sagte
er;  ich  reichte  ihm  Büchse  und  hirschfänger,  er  legte  seine
hand  darauf  und  sprach:  „Sieht  mit  Gott,  und  alles  Gute  sei
eurem  frischen  deutschen  Mute  vergönnt  I#  Während  wir  ihm
ein  nochmaliges  Lebehoch  riefen,  fuhr  er  grüßend  an  uns  vorbei
  (Förster,  Geschichte  der  Befreiungskriege.)

Eleonore  Hrochaska  an  ihren  Bruder.

Eleonore  Drochaska,  geb.  1785  als  Tochter  eines  Unteroffiziers,
trat  1813  unter  dem  Namen  Zugust  Renz  als  freiwilliger  Jäger  in
die  Lützowsche  Freischar.  Sie  diente  unerkannt,  bis  sie  am  16.  September
  1815  in  dem  Gefecht  an  der  Göhrde  (im  Lüneburgischen)  fiel.

Kus  unserem  ersten  Biwak  1815.

LCieber  Bruder,  nun  habe  ich  Dir  etwas  ganz  Neues  zu
erzählen,  worüber  Du  mir  aber  versprechen  mußt,  nicht  böse
zu  sein.  Ich  bin  seit  vier  Wochen  schon  Soldat!  Erstaune  nicht,
aber  schilt  auch  nicht;  Du  weißt,  daß  der  Entschluß  dazu  schon
seit  Anfang  des  Krieges  meine  Brust  beherrschte.  Schon  zwei
Briefe  von  Freundinnen  erhielt  ich,  welche  mir  vorwarfen,
ich  sei  feige,  da  alles  um  mich  her  entschlossen  ist,  in  diesem

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