siert  und  in  hinsicht  der  preußischen  Derhältnisse  und  Forderungen
  zu  und  an  das  kleine  Königreich  Polen  die  schreiendsten
  Ungerechtigkeiten  zum  Dorteil  der  KFranzosen  und  Polacken
  begangen  hatte.

Steins  Schwestertochter,  eine  geborene  Freiin  von  Werthern,
  stand  bei  dem  Oheim  sehr  schlecht  angeschrieben,  er
schalt  sie  eine  eitle  Närrin  und  hoffärtige  Derschwenderin,
welche  durch  eitlen  Drunk  das  eigne  und  des  Mannes  Dermögen
  bis  zur  tiefsten  Neige  heruntergebracht  habe.  Weise,
altväterische  Jitte  und  Sparsamkeit  bei  Großen  und  Kleinen
galt  ihm  wie  seinem  Freunde  Niebuhr  als  ein  notwendiges
Stück  aller  Bürgertugend;  er  glaubte  mit  den  alten  Dersern,
daß  ein  verschuldeter  Mann  in  ganz  notwendiger  Folge  zuletzt
ein  Lügner  und  der  Knecht  von  solchen  werden  müsse,  die  noch
schlechter  als  er  selbst  seien.

Dier  hatte  er  aber  von  der  tollen  Wirtschaft  seiner  verrückten
  Uichte  die  unwidersprechlichsten  Droben  erfahren;
von  diesen  hier  nur  eine:  Die  Ministerin  zur  Seit  ihrer  Glanzhöhe
  in  Dresden  und  Warschau  sandte  alle  ihre  Leibwäsche,
hemden,  Spitzen  usw.  allmonatlich  mit  eigenen  Kurieren  nach
Daris,  als  wo  man  dergleichen  hochdamliche  Leinheiten  allein

recht  zu  waschen,  plätten  und  zurechtzufalten  verstehe.
(Arndt,  Wanderungen  und  Wandelungen.)

Der  Freiherr  vom  Stein  und  die  vornehme  Jugend.
Kpril  1815.

Am  heftigsten  ward  Stein  gereizt  durch  die  vielen  An—-träge
  von  Dätern  und  Oheimen  vornehmer  Jünglinge,  dieser
oder  jener  Sohn  oder  Ueffe  wünsche  sich  unter  seiner  würdigen
Leitung  zur  diplomatischen  Laufbahn  vorzubereiten.  Da  rief
er  wohl  ungeduldig  zu  Krndt  gewendet  aus:  Schreiben  Sie,
ich  bin  kein  Diplomat  und  verstehe  nicht,  Diplomaten  abzurichten.
  Die  jungen  TLeute  sollen  jetzt  die  Büchse  nehmen  und
fürs  Daterland  fechten:  das  gebührt  jetzt  dem  deutschen  Edelmann.
  Zuch  könne  man  jene  Kunst  nicht  lehren,  und  Teute,
die  sehr  jung  auf  diese  schlüpfrige  Bahn  kommen,  werden  leicht
entweder  vollkommen  charakterlose  Hinsel  oder  Schurken!

(Nach  Perz,  Stein.)
12-  179