vor  das  Gesicht  haltend,  wiederholte  er  mit  gesteigerter  hef—
tigkeit:  „Oui  ou  non?  Oui  ou  non?“

Saint  Kignan,  wohl  ahnend,  welches  furchtbare  Gewicht
seine  AKutwort  in  die  Wagschale  legen  würde,  hatte  den  edelen
Mut  zu  erwidern:  „Sire,  die  Wahrbeit  ist,  daß  ich  keinerlei
Rapport  erhalten  habe.“  Und  alsobald  stürzte  ich  auf  Napoleon
  mit  den  Worten  zu:  „Eure  Majestät  sehen,  daß  Ihr
guter  Glaube  getäuscht  worden  ist,“  und  was  ich  noch  sonst
zur  Unterstützung  dieser  Behauptung  hinzufügte.  Der  KNaiser
schien  sich  einen  Kugenblick  zu  besinnen  und  sagte  dann:  „Uun
also;  so  werden  nur  die  Hhäuser  der  DProfessoren  niedergebrannt.“
  Endlich  aber  gelang  es  mir  durch  die  einleuchtende
  vorstellung,  daß  dies  unmöglich,  ohne  die  Stadt  selbst
zu  zerstören,  ausführbar  sei,  ihn  auch  davon  abzubringen.
Er  zerriß  die  Ordre  an  den  General  Bertrand  und  fuhr  dann
ruhiger  wieder  fort:  „Aber  man  gebe  den  herren  von  Jena
eine  gute  und  strenge  Lehre,  damit  sie  sich's  merken,  daß  ich
durch  einen  Wink  für  immer  die  ganze  Universität  zerstören
kann.  —  Was  wollen  eigentlich  alle  diese  Ideologen,  diese
Schwätzer?  Sie  wollen  die  Revolution  in  Deutschland,  sie  wollen
  sich  von  allen  Banden  freimachen,  die  sie  an  Frankreich
knüpfen.  Wißt  Ihr  Deutsche  auch,  was  eine  Revolution  ist?  Ihr
wißt  es  nicht,  aber  ich  weiß  es.  Ich  habe  Frankreich  von  Strömen
  Bluts  überschwemmt  gesehen,  ich  habe  mich  oben  gehalten,
und  ich  dulde  nicht,  daß  solche  schreckliche  Szenen  sich  in
Deutschland  wiederholen.  Kber,  meine  herren,  Sie  werden
sicher  und  gewiß  die  Revolution  haben,  wenn  ich  nicht  Ordnung
  schaffe.  Hreußen  hat  treulos  mit  mir  gespielt;  es
wird  ihm  teuer  zu  stehen  kommen.  Ich  war  viel  zu  großmütig,
ich  habe  den  König  wieder  auf  den  Ahron  gesetzt  —  und  er
zahlt  mir  mit  Undank.“

(Friedrich  von  Müller,  Erinnerungen  aus  den  Kriegszeiten.)

Kutusows  Tod  am  28.  Kpril  1815.

Ein  großes  Elück  erlebten  wir  in  Dresden,  für  welches
alle,  welche  die  Derhältnisse  kannten,  dem  himmel  danikten;
so  daß  viele  dabei  riefen:  Der  alte  deutsche  Gott  lebt

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