gemeines  und  wohlverdientes  Kufsehen.  Es  ist  dies  nicht  ein
einseitiges  Mationalurteil,  sondern  ich  gründe  mich  dabei  auf
das  allgemeine  Urteil  der  fremden  Offiziere,  die  im  hauptquartier
  waren.  So  viel  Truppen  ich  auch  in  meinem  langen
Kriegsleben  gesehen  habe,  niemals  habe  ich  welche  gesehen,
die  ein  größeres  Dertrauen  einflößten.  Das  napoleenische
heer  zeugte  in  seiner  Blütezeit  allerdings  von  einer  großen
Kriegskraft  auch  in  den  ZKugen  des  Suschauers,  allein  dies
war  doch  mit  einem  Übermut  vermischt,  der  sich  hier  bei  den
Dreußen  nicht  fand.  Der  Gedanke,  das  zertretene  Daterland
wieder  zu  befreien,  war  ein  Gemeingut  geworden  und  hat
dem  Dolks-  und  Kriegsleben  eine  höhere  Stellung  gegeben.
(von  Bonen,  Denkwürdigkeiten.)

Die  Schlacht  bei  Großgörschen  am  2.  Mai  1815.

Südlich  der  alten  Lützener  Wahlstatt  bei  Leipzig  kam  es  zwischen
  Napoleon  und  den  Derbündeten  zur  ersten  hauptschlacht,  in
welcher  60000  Franzosen  gegen  40  000  Russen  und  Hreußen  fochten.
Der  Kampf  drehte  sich  in  der  Hauptsache  um  das  Dörferviereck  Kaja,
Rahna,  Nleingörschen,  Großgörschen,  die  der  Marschall  Uey  hielt.
Gegen  ihn  stürmte  das  Blüchersche  Korps  mit  ungeheurer  Wucht  an,
doch  mußte  zuletzt  auch  noch  der  General  Norck  herangezogen
werden.  Kuf  beiden  Seiten  wurde  mit  der  äußersten  Erbitterung
gekämpft.  Drei  der  Dörfer  waren  den  Franzosen  schon  entrissen,  —
da  eilte  Uapoleon  selbst  herbei  in  dem  Kugenblick,  als  die  preußischen
Garden  die  SFranzosen  über  das  brennende  Kaja  hinausgeworfen
hatten.  Napoleon  holte  mit  verdoppelter  Wucht  zum  Schlage  aus,
und  nur  Großgärschen  blieb  in  den  Händen  des  Blücherschen  Korps.
Man  schlug  sich  bis  in  die  sinkende  Nacht  um  das  in  einem  achtstündigen
  Gefecht  behauptete  Schlachtfeld.  Ein  nächtlicher  Kavallerieangriff
  Blüchers  hatte  wegen  der  Ungunst  des  Bodens  nur
geringe  Wirkung.  In  der  Schlacht  hatte  man  nur  Tote  und  Derwundete
  gelassen,  keine  Fahne,  kein  Geschütz  und  nur  wenig  Ge—
fangene.  Dagegen  waren  fünf  Geschütze  erobert  und  800  GEe.
fangene  gemacht.  Napoleon  hatte  23000  Mann  verloren,  das
Korps  Uey  allein  15000;  die  Derbündeten  11500  Mann.  Ein
harter  Schlag  traf  die  Sache  der  Befreiung  durch  die  Derwundung
  des  unersetzlichen  Scharnhorst,  der  bald  darauf  an  seiner
Wunde  starb.

Friedrich  Wilhelm  III.  und  Scharnhorst
vor  der  Schlacht  bei  Großgörschen.

Km  2.  [Mai,  dem  Tag  von  Großgörschen],  beim  Anbruch
des  Tages,  begaben  sich  die  beiden  Souveräne  nach  Greitzsch,

187