um  dort  mit  der  Kolonne  des  Generals  Blücher  zusammenzutreffen.
  Die  Ankunft  der  Truppen  wurde  durch  das  Kreuzen
der  Kolonnen  von  Blücher  und  Norck  nicht  unbedeutend  verzögert.
  Dies  war  allerdings  ein  übelstand,  an  dem  aber
niemand  anders  als  das  russische  Hauptquartier  schuld  war,
welches  den  verschiedenen  Kolonnen  solche  Kichtungspunkte
gegeben  hatte,  so  daß  ein  Kreuzen  derselben  nicht  zu  vermeiden
  war.  Der  König  indes,  der  trotz  aller  Dienste,  die  ihm
Scharnhorst  geleistet  hatte,  fortdauernd  einen  inneren  Groll
gegen  ihn  hegte,  weil  Scharnhorst  mit  seinen  Kriegsansich—
ten  doch  endlich  durchgedrungen  war,  schob  die  ganze  Schuld
des  Kreuzens  auf  den  General  und  äußerte  sich  darüber
(Scharnhorst  war  aber  nicht  zugegen)  laut  und  öffentlich,  wobei
  Klnesebeckl,  der  doch  sonst  den  Freund  von  Scharnhorst
spielte,  zu  den  Außerungen  des  Königs,  daß  so  etwas  doch
eigentlich  mit  Festungsarrest  bestraft  werden  müßte,  in  die
hände  schlug  und  einmal  über  das  andere  rief:  „Das  ist
recht!  so  kommt  Dienst  in  die  Armee!“  Selten  hat  mich
ein  Dorgang  tiefer  in  meinem  Innern  verwundet  als  dieser.
(von  Boyen,  Denkwürdigkeiten.)

Der  Derlauf  der  Schlacht  bei  Großgörschen.

Der  russische  Oberstleutnant  von  Wolzogen,  Kdjutant
des  Saren  Hlexanders  I.,  erzählt:  Als  es  entschieden  war,
daß  der  Feind  die  Dörfer  Groß=  und  Kleingörschen,  Rahna
und  Kaja  besetzt  hatte,  griff  zuerst  die  preußische  Brigade  des
Obersten  von  Klüx  vom  Blücherschen  Norps  das  erstgenannte
Dorf  mit  dem  größten  Ungestüm  an  und  nahm  es,  sowie
auch  das  Dorf  Nleingörschen,  wurde  jedoch  bald  darauf  aus
beiden  wieder  herausgeworfen,  worauf  die  zweite  Brigade  des
Blücherschen  Korps  unter  General  von  Sieten  vorrückte  und
dasselbe  Schicksal  erfuhr,  so  daß  auch  noch  die  preußischen
Garden  unter  General  von  Röder,  welche  die  Reservebrigade
des  Blücherschen  Korps  bildeten,  ins  Gefecht  geschickt  werden
mußten.  Endlich  wurde  auch  noch  das  Dorcksche  Korps  zum
Angriff  der  Dörfer  verwendet;  aber  der  Eroberung  der
Dörfer  erfolgte  immer  von  neuem  deren  erlust.  Die  Mo-188

