wurden  einige  nach  unserem  Dorfe  gebracht  und  aufgestellt.
Gneisenau,  an  dessen  Seite  ich  war,  sprach  einen  an,  der  ihm
durch  seine  große  Gestalt  auffiel;  er  suchte  ihm  begreiflich
zu  machen,  wie  tadelnswert  der  Entschluß  war,  gegen  Deutsche
zu  kämpfen.  Der  Mensch  sah  unbeschreiblich  gutmütig  aus,
schien  etwas  ungeschickt  und  war  offenbar  ein  Rekrut.  „Ich
wäre,“  antwortete  er  treuherzig,  „lieber  zu  Hause  geblieben.
Dater,  Mutter  und  Geschwister  weinten,  als  ich  ausgehoben
wurde:  aber  ich  war  wohl  genötigt,  mit  schwerem  herzen
fortzugehen.“  —  „Ich  möchte  wohl  wissen,“  sagte  ich,  „als  wir
uns  entfernten,  „ob  irgendein,  auch  noch  so  fanatischer  Deutscher
imstande  wäre,  einen  solchen  armen  Teufel  nach  einem  solchen
Gespräch  kaltblütig  totzuschießen?“  —  „Noch  nicht,“  antwortete
  Gneisenau,  „aber  wenn,  was  Sott  verhüte,  der
Krieg  jahrelang  dauerte,  dann  mag  Gott  wissen,  was  aus
uns  allen  wird;  das  Blut  der  Männer  des  Dreißigjährigen
Krieges  steckt  noch  in  uns,  und  eine  lange  genährte  Erbitterung
  würde  dann  Derwilderung  und  durch  diese  eine
wechselseitige  Serstörung  hervorrufen,  unser  Erbfeind  aber
würde,  wie  damals,  jubeln.“  Mich  ergriff  ein  Grauen,  wenn
ich  daran  dachte,  eine  solche  Sukunft  zu  erleben.
(Steffens,  Was  ich  erlebte.)

Blücher  an  seine  Frau.
Borna,  4.  Mai  1815.

was  vor  nachricht  du  auch  erhälst  so  sen  ruhig,  den  ob
ich  gleich  3  kugell  erhalten,  und  auch  ein  Perd  erschossen,
so  ist  doch  alles  nicht  gefährlich,  und  ich  bin  und  bleibe  in
volliger  tetigkeit,  Satisfaction  habe  ich  genug,  den  ich  habe
den  DErn  Napoleon  zwey  mahl  angegriffen,  und  beide  mahl
geworften,  die  Schlacht  ist  so  mörderisch  gewesen  daß  beide
theile  erschöpfft  wahren,  und  beide  mangel  an  amunition
hatten,  der  geind  hat  ungleich  mehr  wie  wihr  verlohren,
aber  es  ist  auch  mancher  brave  waffen  Bruder  aus  der
weld  geschickt  ich  habe  einen  Schuß  im  Rücken,  der  mich
sehr  schmertzt,  die  kugell  bringe  ich  dich  mit.

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