dem  Wilhelmsplatz;  Sichte  hatte  für  sich  und  seinen  kaum
waffenfähigen  Sohn  ..  .  Lanzen  und  Schwerter  vor  seiner
Tür  angelehnt  stehen.  Man  hatte  ihn  der  Ehre  wegen  zum
Offizier  beim  Landsturm  machen  wollen,  er  hatte  es  ver—
weigert  mit  den  Worten:  „hier  tauge  ich  nur  zum  Gemeinen.“
Diesem  Mann  war  es  mit  allem  immer  voller  Ernst;  er  war
schlecht  auf  den  Füßen,  ich  glaube  etwas  an  Gicht  leidend;
da  hatte  er  denn  gesprochen:  „Ich  weiß,  ich  werde  keine  großen
Taten  tun,  aber  ich  werde  dem  Dolke  nimmer  den  Weg  zur
Hlucht  weisen;  nur  über  meine  Ceiche  sollen  die  Feinde
in  die  Stadt  eindringen.“  Er  war  erstaunlich  frisch,  lebendig
und  liebenswürdig  in  dieser  Seit,  und  es  schien  gleichsam,  als
fände  sein  frommer  Sinn  in  der  Liebe  zum  Volk  und  Daterlande
  mehr  und  mehr  die  Brücke,  worüber  er  aus  seinem
idealischen  Ich  zum  Uichtich  hinübergelangen  könnte.  Ich  habe
ihn  damals  viel  gesehen,  in  seinem  Hause  und  bei  Freunden.
Er  und  lder  Professor  der  Medizin]  Reil  waren  gewissermaßen
die  tragischsten  Dersonen  der  hauptstadt  durch  die  ungeheure
Heurigkeit,  womit  sie  die  Seit  auffaßten,  und  durch  den
brennenden  Haß,  den  der  letzte  fast  noch  mehr  als  Sichte  gegen
die  Welschen  trug.  Reil,  der  edle  Ostfriese,  war  ein  Mann
von  mächtigen  und  gewaltigen  TLeidenschaften,  die  sich  in
seinem  schönsten  Leibe  und  seinen  göttlichen  Kugen  in  herrlichsten
  Farben  und  glammen  darstellten  und  brachen.  Ich
erinnere  mich  wie  heute  —  ich  traf  ihn  Unter  den  TLinden
spazierend,  als  die  grimmige  Botschaft  unter  vielen  zugleich
Susammenlaufenden  erschallte,  es  ist  Waffenstillstand.
Er  stand  bei  der  Nachricht  wie  in  den  Boden  hineingedonnert,
erblaßte  einem  Ohnmächtigen  ähnlich,  dann  drückte  er  mir  und
anderen  Freunden  die  hand,  und  die  hellen  Tränen  strömten
ihm  über  die  Wangen.  —  Ja  das  war  eine  grimme  Botschaft
und  machte  viele  unsicher  und  zweifelhaft.
(rndt,  Erinnerungen  aus  dem  äußeren  Ceben.)

Uapoleon  an  die  Kaiserin  Marie  TLuise.
Neumarkt,  4.  Juni  1815.
Sie  erhalten  hierbei  ein  Dekret,  das  ich  zur  Errichtung

14  Die  Befrelung.  200