Ermattens  in  den  Kablnetten  wirkten  fortdauernd  nachteilig
auf  den  vielseitig  angegriffenen  Körper  Scharnhorsts.  Da
ihm  jeder  Kugenblick  mit  Recht  kostbar  schien  und  ihm  selbst
seine  Untätigkeit  lästig  ward,  so  glaubte  er  trotz  der  noch
nicht  geheilten  Wunde  zu  einer  Reise  nach  Wien  sich  stark  genug,
  um  dort  womöglich  eine  Beschleunigung  des  Krieges  herbeizuführen.
  Dort  aber  wollte  man  sich  wahrscheinlich  noch
nicht  erklären,  und  so  erhielt  Scharnhorst  —  die  Rufforderung,
  nach  Drag  zu  gehen,  wohin  der  Kaiser  und  Metternich
in  kurzem  auch  kommen  würden  und  wo  das  Weitere  verabredet
  werden  sollte.  Dieser  neue  RKufschub  ergriff  den  durch
Krankheit  so  angegriffenen  Mann  schmerzlich,  er  kam  in  einem
sehr  verschlimmerten  Krankheitszustande  in  Drag  an;  der
Brand  schlug  zu  seiner  Wunde,  und  wenige  Tage  nachher
endete  das  Leben  des  edlen  Mannes.
(von  Boyen,  Denkwürdigkeiten.)

Zu  Scharnhorsts  Gedächtnis.

Der  folgende  Nachruf  und  ein  Rekrolog  wurden  von  Gneisenau

für  Berliner  und  Breslauer  Jeitungen  bestimmt.  Die  Sengfur,  selbst

er  Staatskanzler  hardenberg,  machten  Schwierigkeiten  wegen  des
Schlußsatzes  im  Uekrolog,  wo  von  der  mangelnden  Knerkennung
der  Derdienste  Scharnhorsts  die  Rede  war.

Am  28.  Juni  starb  zu  Drag  an  den  Folgen  seiner  in  der
Schlacht  bei  Großgörschen  erhaltenen  Wunde  der  königlich
Dreußische  Generalleutnant  von  Scharnhorst.

Er  war  einer  der  ausgezeichnetsten  Männer  unserer  Seit.
Das  rastlose,  stetige,  planvolle  Wirken  nach  einem  siel,  die
Klarheit  und  Festigkeit  des  Derstandes,  die  umfassende  Größe
der  Ansichten,  die  Freiheit  von  Dorurteilen  des  herkommens,
die  stolze  Gleichgültigkeit  gegen  äußerliche  Kuszeichnungen,  der
Mut,  in  den  unscheinbarsten  Derhältnissen  mit  den  schlichtesten
  Mitteln  durch  die  bloße  Stärke  des  Eeistes  den  größten
Swecken  nachzustreben,  jugendlicher  Unternehmungsgeist,  die
höchste  Besonnenheit,  Mut  und  ZKusdauer  in  der  Gefahr,  endlich
die  umfassendste  Kenntnis  des  Kriegswesens,  machen  ihn  zu
einem  der  merkwürdigsten  Staatsmänner  und  Soldaten,  auf
welche  Deutschland  je  stolz  sein  durfte.

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