Landsturm  aufgehoben  wurde.  Man  sah  überall  Rebellion.
Tlausewitz  schreibt  darüber  an  Gneisenau  am  14.  Zugust
1813:  „Das  Landsturmedikt,  geben  die  Wittgenstein  (Oberhofmeisterl,
  LCe  Coq  und  Bülow  (Thef  der  Geheimpolizeij  vor,  sei
revolutionär,  stürze  die  Derfassung  um,  führe  zu  völliger
Anarchie  und  Umsturz  des  Uhrones  usw.“  —  Die  Besprechung
einer  künftigen  politischen  Derfassung  und  Neuordnung  Deutschlands
  war  schon  damals  als  staatsgefährlich  verfemt.
Die  Sensur  in  Berlin.

Der  preußische  Sensor  bemerkt  zu  der  Schrift  des  berühmten
Kriminalisten  Knselm  von  Feuerbach  „Über  die  Unterdrückung  und
Wiederbefreiung  Europas“:  „Swar  atmet  der  Derfasser  an  mehreren
  Stellen  Freiheitssinn,  doch  aber  so  gemäßigt  und  so,  daß  er  in
unsere  jetzigen  militärischen  und  bürgerlichen  Knordnungen  größtenteils
  einstimmt.“  —  Krndt  heißt  in  den  Zkten  der  „berüchtigte
  Dielschreiber“,  Goerres  „ein  gedungener  Journalist“;  von  Uiebuhr,
  der  den  „Hreußischen  Correspondenten“  herausgab,  wird
gesagt:  „Herr  Miebuhr,  bisher  nur  bekannt  durch  eine  in  barbarischem
  Stil  geschriebene  Röm.  Geschichte,  tritt  ...  ganz  unvorteilhaft
  als  politischer  Schriftsteller  und  Hofpublizist  auf.“  Die  Schreibart
  Uiebuhrs  sei  „ein  abschreckendes  Beispiel  preußischer  klassischer
Bildung“".  In  den  schärfsten  Konflikt  mit  der  Sensur  geriet  Schleiermacher.
  Im  übrigen  war  der  Sensor  Renfner  ein  vielgeplagter
Ehrenmann.

König  Friedrich  Wilhelm  III.  in  Berlin  (uli  1815).

Graf  henckel  erzählt:  In  Charlottenburg  angekommen,
befahl  mir  sogleich  der  König,  den  Gouverneur,  General
von  L'Estocq,  von  seiner  Ankunft  zu  benachrichtigen,  und
die  Garnison  den  andern  Tag  Unter  den  TLinden  en  Harade
zu  befehlen.  Man  war  überrascht,  erstaunt,  den  König  da
zu  wissen.  Am  andern  Morgen,  den  15.  [Julil,  fuhren  wir
hinein,  setzten  uns  am  Tore  zu  DPferde,  der  König  besah
die  Truppen  und  gab  nachher  ein  Diner  in  Charlottenburg.
Tags  darauf  ließ  er  die  Bürgerschaft  von  der  Derteidigung
Berlins,  als  unpassend  für  eine  große,  offene  Stadt,  entbinden,
  was  einen  allgemeinen,  großen  Jubel  hervorbrachte.
Wir  fuhren  nach  Sanssouci,  um  in  Potsdam  den  andern  Teil
des  Bülomwschen  Norps,  welcher  im  Lustgarten  in  der  breiten
Straße  und  auf  der  Plantage  aufgestellt  war,  zu  besichtigen.
Der  König,  der  vernommen,  daß  man  in  diesem  Korps  den
von  ihm  eingegangenen  Waffenstillstand  getadelt  hatte,  kam
sehr  mißvergnügt  dahin.  Kuf  der  Plantage  stand  das  Elb-228

