Aneldote  von  Gneisenau.
AKugust  1815.

Der  Major  von  Lalkenhausen  ward  bei  Zufhebung  des
Waffenstillstandes  an  die  Spitze  eines  Streifkorps  gestellt.  Als
er  seine  Instruktion  forderte,  erteilte  ihm  Gneisenau  die  Knutwort:
  „Ihre  Instruktion  ist  der  Feind,  ihre  Dollmacht  tragen
Sie  an  Ihrer  Seite.“

Der  herbstfeldzug.

Die  beiden  Gegner  hatten  mächtig  gerüstet.

Die  esamtstärke  der  verbündeten  HFeldarmeen  betrug
nach  Zblauf  des  Waffenstillstandes  rund  500000  Mann;  im  einzelnen
  zählten  von  den  Krmeen  die  preußische  162000,  die  kuliIshe
184000,  die  österreichische  1280000,  die  schwedische  27000.  Dreußen
hatte  sein  Heer  im  ganzen  auf  rund  270000  Mann  gebracht,  darunter
  112000  Mann  Landwehren.  Der  kleine  Staat  zählte  damals
  5  Millionen  Einwohner;  es  standen  also  6  auf  100  der
Bevölkerung  im  Selde.

Gneisenau  hatte  während  des  Waffenstillstandes  in  Schlesien
eine  großartige  Uätigkeit  zur  Organisierung  der  Landwehr  entfaltet.
  Diese  war  naturgemäß  im  Waffendienst  nicht  genügend
ausgebildet  und  den  Strapazen  des  Leldzuges  weniger  gewachsen
als  die  Linie.  So  schmolzen  denn,  namentlich  in  den  Korps  Norck
und  Kleist,  nach  Wiedereröffnung  des  Kampfes  die  Landwehren  sehr
zusammen.  Der  übrigbleibende  Kern  aber  bildete  eine  Uruppe,
die  das  Höchste  leistete  und  mit  dem  stehenden  Heer  an  Vodesverachtung
  und  Kusdauer  wetteiferte.  —  Uapoleons  KArmee  war
neugebildet  und  ergänzt.  Die  Rekruten  von  1813  standen  im
Klter  von  19—20,  die  von  1814  im  Rlter  von  18—19  Jahren.
Sie  vollständig  auszurüsten  oder  gar  auszubilden,  war  unmöglich
  gewesen.  Die  meisten,  in  den  Depots  notdürftig  ausgebildeten
neuen  Uruppenteile  wurden  vorwiegend  ohne  Waffen  in  kleinen
Trupps  nach  Deutschland  geschickt.  Die  Waffen  sollten  in  TKisten
nachgeliefert  und  dort  verteilt  werden.  Die  Märsche  und  Exerzitien
  erschöpften  die  jungen  Soldaten.  Mangel  an  Geld,  Unehrlichkeit
  und  Ungewandtheit  der  Intendanturbeamten  trugen  die
Schuld  an  ihrer  schlechten  Derpflegung.  So  kam  es,  daß  gegen
Ende  des  Waffenstillstandes  die  französische  AKrmee  einen  Krankenbestand
  von  90000  hatte;  die  Lazarett  5  waren  erbärmlich.
Die  Krmee  Napoleons  war  schlechter  als  im  Frühjahr.  Zber  der
Kaiser  war  unermüdlich,  sie  zu  heben.  Die  einzelnen  Derbände
umfaßten  stets  einen  Teil  erprobter  Feldsoldaten,  die  den  jungen
Truppen  bald  ihren  kriegerischen  Eeist  einflößten:  die  Derion
Uapoleons  riß  sie  wie  die  anderen  hin.  Dorzüglich  war  das
Offizierkorps  der  französischen  Krmee  vom  Korpschef  bis  zum

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