Napoleon  an  König  Sriedrich  J.  von  Württemberg
nach  der  Kriegserklärung  Osterreichs  vom  12.  August  1813.
15.  August  1815.

Mein  Herr  Bruder!  Der  Kongreß  von  Hrag  hat  nie
ernstlich  existiert;  er  war  nur  ein  Mittel  für  csterreich,  um
sich  zu  erklären.  Ichon  aus  der  Ernennung  des  hHerrn  Anstedt
konnte  man  die  Entschließung  der  Derbündeten  kennen  lernen;
  auch  haben  sich  die  Abgesandten  der  verschiedenen  Mächte
niemals  gesehen.  Die  russischen  und  die  preußischen  Bevollmächtigten
  haben  niemals  ihre  Häuser  verlassen;  sie  haben
den  Kbgesandten  Frankreichs  gar  nie  sprechen  wollen.  Endlich,
  am  10.  Kugust,  hat  uns  die  vermittelnde  Macht  den  Krieg
erklärt.  Ihr  Manifest,  sonst  recht  gemäßigt,  ist  lächerlich  an
der  Stelle,  wo  es  auf  die  früheren  Ereignisse  aus  der  Seit  des
Bündnisses  vom  Jahre  1812  zu  sprechen  kommt.

Es  scheint,  daß  schon  seit  dem  Monat  Februar  csterreich
sich  ernstlich  mit  den  Derbündeten  eingelassen  hat;  das  Ereignis
  der  Schlacht  von  Großgörschen  hat  das  Tempo  verlangsamt,
  und  osterreich  fand  sich  nicht  stark  genug,  um  offen
aufzutreten.  heute  hat  es  seine  Waffenmacht  so  viel  als
möglich  gesteigert  und  pocht  auf  seine  Kräfte.  Im  übrigen,
wenn  Ew.  Majestät  fragen  sollte,  was  Csterreich  will,  so
antworte  ich:  es  will  alles.  In  seinem  Manifeste  bedient  es
sich  des  Kusdruckes:  „Deutsches  Reich";  es  will  damit  alles
das,  was  es  wiedergewinnen  kann.  Man  hat  Erkundigungen
eingezogen,  ob  sie  zufrieden  sein  würden  mit  Illyrien,  mit
Dolen;  allein,  wie  zu  vermuten  stand,  waren  sie  weit  entfernt
davon;  sie  verlangen  Denedig,  die  Länder  am  Inn,  Magdeburg,
  die  Kuflösung  des  Rheinbundes;  und  das  bedeutet  offenbar
  so  viel  als  die  Wiederbelebung  der  alten  Zustände  in
Deutschland;  denn  der  Rheinbund  ist  ja  nur  die  Folge  meiner
mit  den  Fürsten  geschlossenen  Derträge.

Kurz,  der  Kaiser  von  csterreich  wollte  Krieg.  Er  schrieb
mir,  nur  vier  Uage  vorher,  die  freundschaftlichsten  Briefe.
Das  war  eine  unnötige  heuchelei,  denn  ich  weiß,  wo  sie
hinauswollen,  seit  dem  Tage  von  Minsk  (1812),  wo  der  Fürst
Schwarzenberg  aus  der  Hofburg  Weisungen  erhielt,  seine  Be-238

