wegungen  in  ganz  entgegengesetztem  Sinne  einzuleiten,  als
meine  Befehle  lauteten.

Heereseinteilung  und  Kriegspläne.

Die  VDerbündeten  stellten  nach  dem  sogenannten  Trachenberger
Kriegsplan  drei  Heere  ins  eld:

1.  Die  böhmische  oder  Hauptarmee  unter  dem  Fürsten
Schwarzenberg,  250000  Mann  stark;  2.  die  Uordarmee  unter
Bernadotte,  dem  kKronprinzen  von  Schweden,  in  der  Stärke  von
128000  Mann;  3.  die  schlesische  Krmee  unter  Blücher  mit
100000  Mann.  Der  Oberführer  der  Derbündeten,  Fürst  Schwarzenberg,
  war  „der  Mann  der  Koalition“.  Er  wahrte  wohl  nach
außen  und  innen  die  Einheit  der  verbündeten  Heere,  aber  es
fehlten  ihm  die  Eigenschaften  des  großen  Feldherrn.  —  Der
Kronprinz  Bernadotte  erhielt  eine  Rolle  zuerteilt,  die  ihm  nicht
gebührte.  Der  kluge  Easkogner  besorgte  seinen  Vorteil  und
übte  fortan  einen  schädlichen  Einfluß  auf  die  Kriegführung.  Bei  der
ihm  anvertrauten  Armee  standen  der  General  Bülow  und  die  preußischen
  Landwehren,  bei  Blücher  die  preußischen  Generale  Norck  und
Kleist  und  die  russischen  Generale  Sacken,  Langeron  und  St.  Priest.  Die
Heeresleitung  suchte  im  „System  der  gegenseitigen  Unterstützung"
ihr  Beil.  Die  veraltete  Kriegführung  des  18.  Jahrhunderts  hatte
die  Oberhand  gewonnen.  Die  Hauptarmee  sollte  von  Böhmen
aus  Uapoleon  im  Zuge  behalten,  die  Uordarmee  und  die  schlesische,
je  nach  dem  Sall  eines  Angriffs,  vereinigt  oder  getrennt  der
Hauptarmee  zu  Bilfe  kommen.  Dem  einzigen  Heer,  in  dem  der
Geist  des  zaschlossenen  Kngriffs  mit  dem  Siel  der  Dernichtung
des  Gegners  herrschte,  dem  schlesischen,  war  eine  Schlacht  geradezu
  verboten.  Die  Dertreter  der  „Ermattungsstrategie“  glaubten
allen  Ernstes,  ihren  furchtbaren  Gegner  aus  Deutschland  hinausmanövrieren
  zu  können.  Man  hatte  zudem  den  Operationsplan
  auf  die  falsche  Doraussetzung  gebaut,  daß  Uapoleon  zuerst
die  böhmische  (Baupt-)  Krmee  angreifen  müsse,  auch  täuschte
man  sich  über  die  Stärke  des  Kaisers.  Napoleon  stützte  sich
auf  die  Elblinie.  Sein  Plan  verband  die  ihm  aufsgedrungene  Derteidigung
  mit  der  Möglichkeit  des  Angriffs  nach  allen  Seiten.
Sein  ZKauptwaffenplatz  und  Stützpunkt  war  fortan  Dresden.

Boyen  über  den  gürsten  Schwarzenberg,

den  Höchstkommandierenden  der  verbündeten  Streitkräfte.

Als  eine  besondere  GEunst  des  Schicksals  nenne  ich  auch
die  Wahl  des  Sürsten  Schwarzenberg  zum  nominellen  Oberbefehlshaber,
  nicht  allein  des  böhmischen  Heeres,  sondern
aller  Streitkräfte.  Kls  geldherr  schien  ihm  Entschlossenheit
und  Überblick  zu  fehlen,  auch  mochte  er  wohl  von  den  Ansichten
seiner  Umgebung  abhängiger  sein  als  dies  gut  ist,  aber  sein
unberechenbares  Derdienst  war  es,  daß  er  unter  jenen  eigen-230

