heere  erhalten  hatte,  es  erzeugte  sich  in  ihm  der  zuletzt  oft
ausgesprochene  Gedanke,  daß  Uapoleon  zuerst  mit  der  von
ihm  befehligten  Nordarmee  anfangen  müsse  und  werde.  Er
sah  seine  schwedische  Stellung  nicht  für  hinreichend  befestigt  an
und  strebte  daher  ängstlich,  das  ihm  anvertraute  Korps  vor
einem  Derlust  und  sich  dadurch  vor  einem  Vorwurf  in  der
neuen  Heimat  zu  bewahren.  Endlich  erwachte,  von  dem  Kugenblick
  an,  wo  er  seinen  ehemaligen  Landsleuten  gegenübertrat,
sichtlich  eine  gemischte  Empfindung,  aus  alter  Daterlandsliebe
und  etwas  Sehnsucht  nach  der  Lenkung  von  Frankreichs  Schick.
salen  zusammengesetzt,  in  der  er  nur  zu  sehr  durch  einen  ehemaligen
  Jugendgespielen,  den  in  schwedische  Dienste  getretenen
General  Cams  bestärkt  wurde,  der  die  eben  erwähnte  Gesinnung
  oft  sehr  unvorsichtig  aussprach.

Wenn  man  alles  dieses  berücksichtigt,  so  wird  man  einen
Schlüssel  zu  manchem  sonst  unerklärlichen  Benehmen  und

seiner  schwankenden  Handlungsweise  erhalten.
(von  Bonen,  Denkwürdigkeiten.)

Boyen  über  GEeneral  von  Bülow,

den  Kommandeur  des  dritten  preußischen  Korps.  Boyen  war  sein
Generalstabschef  gewesen.

Bülow  hatte  einen  sehr  hellen  Blick  und  ein  glückliches
Gedächtnis,  ein  kühnes  Selbstvertrauen  führte  seine  Schritte,
stellte  ihn  aber  auch  größtenteils  in  die  Reihen  der  Opposition
gegen  seine  Dorgesetzten  und  machte  ihn  zu  einem  etwas  unbequemen
  Untergebenen.  Der  General  hatte,  ohne  streng
wissenschaftlich  gebildet  zu  sein,  sich  doch  in  Derhältnissen  des
Lebens  achtenswerte  Kenntnisse  erworben;  die  Musik  liebte
er  leidenschaftlich  und  hatte  selbst  in  Kompositionen  sich  einen
gegründeten  Ruf  erworben,  so  daß  der  verstorbene  Selter
einmal  im  Künstlerenthusiasmus  ausrief:  „Ja,  wäre  Bülow
nur  bei  der  Musik  geblieben,  da  hätte  aus  ihm  etwas  werden
  können  !“  Die  Erscheinungen  der  Seit  hatte  der  General
im  liberalen  Geiste  aufgefaßt,  seine  Kriegsansichten  waren
hauptsächlich  aus  den  Derhältnissen  des  Siebenjährigen  Krieges
und  unseren  älteren  Kriegseinrichtungen  abgeleitet,  daher  er
auch  vor  dem  Kriege  zu  den  Gegnern  Scharnhorsts  gehörte,

16  Die  Befreiung.  241