war  es,  als  den  Morgen  nach  der  Schlacht  eine  Menge  Ber—
liner  nach  dem  Biwat  hingeströmt  kam,  ihre  tapferen  vaterländischen
  Krieger  aufzusuchen  und  zu  begrüßen.  Klles,  bekannt
  oder  nicht  bekannt,  umarmte  sich,  das  händedrücken
nahm  kein  Ende.  Ganze  Wagen  voll  Lebensmittel  und  Erfrischungen
  kamen  an  und  nahmen  Blessierte  mit  nach  Berlin  zurück;
  ebenso  die  schönsten  Equipagen  die  verwundeten  Offiziere.
Unerklärbar  und  wahrhaft  empörend  war  dagegen  das
Benehmen  des  Berliner  Magistrates,  indem  eine  Deputation
desselben  anlangte  und  nahe  beim  General  Bülow,  ihn  kaum
bemerkend,  vorbeiging,  um  den  Kronprinzen  von  Schweden
aufzusuchen,  ihm  den  Dank  der  Stadt  Berlin  für  die  ihr  gewordene
  Rettung  darzubringen.  (von  Reiche,  Memoiren.)

Die  Dflege  der  Derwundeten  in  Berlin.

Die  Gräfin  Schwerin  erzählt:  Wie  hatte  Berlin  unterdessen
  seine  Gestalt  verändert!  Ein  Geist  durchatmete  alle
Klassen  und  Stände  und  sprach  sich  in  tausend  Formen  bald
rührend,  bald  erhebend  aus.  Schon  damals  war  der  erste
Anstoß  zu  jener  allgemeinen  Wohltätigkeit,  zu  jenem  tätigen
Eingreifen  der  einzelnen  in  die  öffentlichen  Derpflegungsanstalten
  gegeben.  Schon  damals  bildeten  sich  die  Frauenvereine
  und  legten  den  Grund  zu  der  schönen  Stiftung  des
Damenlazaretts  und  zur  Unterstützung  aller  übrigen  Lazarette
  mit  Speise,  Trank  und  Nleidungsstücken.  Durch  eine
nie  zu  erklärende  Nachlässigkeit  war  nämlich  von  der  Regierung
  nichts  für  diese  Swecke  vorbereitet.  Die  Lazarette  waren
in  demselben  Sustande  geblieben,  wie  die  Franzosen  sie  verlassen
  hatten  (nämlich  von  allem  und  jedem  Gerät  und  Subehör,
  das  vor  dem  Abzug  meistbietend  verkauft  war,  entblößt),
und  sogar  ungereinigt  zurückgelassen  worden.  Das  große
Lazarett  von  Monbijou  ward  nur  dadurch  erhalten,  daß  die
Hotho-  und  Welpersche  Labrik  ihre  Kessel  zum  Kochen  hergab.
Uach  der  Zffäre  von  Wittstock  und  Großbeeren  [22.  und
23.  Kugust!  ward  es  an  die  Straßenecken  angeschlagen,  daß
alle  Besitzer  von  Pferden  und  Wagen  die  Derwundeten  von
den  Schlachtfeldern  hereinzuholen  hätten  .  .  .  Fast  jede  Fa-247

