scheinen.  Nun  trenne  ich  mich  von  Dir,  um  ein  paar  Stunden
zu  ruhen;  mir  ist  so  wohl,  mit  Dir  ein  paar  Stunden  gelebt
zu  haben.  Nun  denn,  meine  Uani,  an  Dich  will  ich  denken,
emporblicken  gegen  den  himmel,  um  seinen  mächtigen  Schutz
zu  erbitten,  und  dort  wird  mein  Gebet  das  Deinige  finden.
Wie  liebt  Dich  Dein  Karl.

Die  Nacht  vor  der  Dölkerschlacht  bei  Leipzig
vom  15.  auf  den  16.  Oktober  18153.

Reiche  erzählt:  Erwartungsvoll  und  in  wahrhaft  feierlicher
  Itimmung  sah  man,  zum  Sterben  bereit,  erfüllt  von
Mut  und  hoffnung  und  im  Dertrauen  auf  Gott,  der  Stunde
entgegen,  wo  im  blutigen  Kampfe  das  Schicksal  von  Europa
entschieden  werden  sollte.  Es  war  eine  regnige  Nacht.  Beinahe
fünfhunderttausend  Krieger  waren  auf  einem  engen  Raume
versammelt.  hochgerötet  war  der  himmel,  wohin  man  den
Blick  wendete,  von  einer  unzähligen  Menge  von  Wachtfeuern;
dahinter  finstere  Nacht.  Der  unvergeßliche  16.  Oktober  brach
an.  Das  Signal  zum  Aufbruch  ertönte  und  bald  standen  unsere
Kriegerhaufen  geordnet.  (von  Reiche,  Memoiren.)

Klexander  I.  und  Friedrich  Wilhelm  III.  in  Gefahr,
  gefangen  genommen  zu  werden.

Der  französische  General  Marbot  erzählt:  Während  der
Uacht  vom  15.  zum  16.  zog  Marschall  Macdonald  alle
Truppen,  die  am  Kolmberg  sam  äußersten  linken  Flügel  der
französischen  hauptstellung]  standen,  nach  Liebertwolkwitz  zurück,
  nur  ich  erhielt  Befehl,  noch  bis  Tagesanbruch  dort  zu
bleiben  und  den  Berg  bis  dahin  gegen  etwaige  feindliche  Unternehmungen
  zu  halten.  Die  Zufgabe  war  insofern  nicht
angenehm,  als  ich  zur  Zusführung  derselben  bis  dicht  an  den
Huß  des  Berges  herangehen  mußte  und  dadurch  fast  eine
Stunde  weit  von  allen  anderen  Truppen  abkam.  Es  war  leicht
möglich,  daß  ich  im  Laufe  der  Nacht  von  stärkern  feindlichen
Abteilungen  auf  beiden  Seiten  umgangen  und  abgeschnitten
wurde.

Der  himmel  war  klar,  und  das  TLicht  der  Sterne  ließ
die  Kuppe  des  Berges  deutlich  erkennen.  Da  man  nun  immer

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