doch  wäre  es  ein  TLeichtes  gewesen,  den  schmalen  Sluß  nicht
allein  für  die  verschiedenen  Waffen,  sondern  auch  selbst  für
die  einzelnen  Korps  in  ausreichender  Weise  zu  überbrücken.
Ebensowenig  war  irgendeine  Truppe  auf  dem  linken  Ufer
aufgestellt,  um  den  Rückzug  über  die  einzig  vorhandene  Brücke
zu  schützen.  Der  Kaiser  befand  sich  zur  Seit  der  Sprengung
mit  seinem  gesamten  hauptquartier  schon  in  Markranstädt.  Ich
weiß  wirklich  nicht,  wie  ich  diese  verbrecherische  Gleichgültigkeit
  bezeichnen  soll,  die  bar  jedes  Gefühls  für  das  Wohl  der
Truppen,  so  viel  Menschen  auf  einmal  zu  opfern  vermochte.  —

Die  Brücke  war  schon  seit  einigen  Stunden  in  die  Luft
geflogen,  der  Kanonendonner,  das  Gewehrfeuer,  überhaupt
das  ganze  Getöse  und  der  Tumult  der  Schlacht  hatten  uns
aber  die  Explosion  nicht  hören  lassen.  Man  wollte  einen
Stabsoffizier  des  Geniekorps  für  das  Unglück  verantwortlich
machen.  Derselbe  bewies  aber  nicht  allein,  daß  er  mit  der
Sprengung  gar  nicht  beauftragt  worden  war,  sondern  klagte
auch  seinerseits  den  Generalstab  an.  In  voller  Erkenntnis  der
dringenden  Uotwendigkeit,  Ubergänge  zu  schaffen,  hatte  er
beizeiten  schon  angefragt,  ob  er  nicht  solche  herstellen  solle.
hierauf  war  ihm  aber  der  Bescheid  geworden,  daß  damit  gewartet
  werden  müsse,  bis  der  Kaiser  es  befehlen  würde.
Diese  schwere  Belastung  für  den  Generalstab  steht  ebenso  fest
wie  diejenige,  daß  tatsächlich  niemals  der  an  der  vorzeitigen
Sprengung  der  Brücke  wirklich  Schuldige  hat  ermittelt  werden
können,  woraus  hervorgeht,  daß  also  auch  für  diesen  verantwortlichen
  Dienst  keine  bestimmte  Persönlichkeit  mit  der
Beaufsichtigung  beauftragt  worden  war.  Zuch  die  Dersperrung
  lder  Brücke  durch  zurückgehende  Wagenkolonnen]
fällt  dem  GEeneralstab  zur  Last;  sie  hätte  nicht  entstehen
konnen,  wenn  eine  Truppenabteilung  zur  Zufrechterhaltung
der  Ordnung  und  COffenhaltung  der  Brücke  kommandiert
gewesen  wäre.  Infolge  dieses  sträflichen  Dersäumnisses  geschah
  es,  daß  die  beiden  rechts  und  links  auf  der  Dromenade
und  die  geradeswegs  durch  die  Stadt  abfahrenden  Nolonnen,
als  sie  fast  gleichzeitig  in  der  Nähe  der  Brücke  eintrafen,
beim  Anblick  derselben  ein  unsinniges  Wettfahren  begannen.

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