Jeder  wollte  zuerst  hinüber.  In  wilder  Jagd  fuhr  man  auf
und  an  der  Brücke  zu  einem  unentwirrbaren  Knäuel  ineinander
  hinein,  der  dann  zum  Teil  mit  in  die  TLuft  flog.  —
Kuf  dieses  Chaos  drängten  die  Massen  jetzt  hin.  Ich
habe  schon  erwähnt,  daß  ich  mit  davongetragen  wurde,  und
zwar  im  wahren  Sinne  des  Wortes,  denn  ich  befand  mich
nicht  zu  Pferde,  und  meine  Füße  berührten  den  Boden  nicht
mehr.  Enodlich  gelangten  wir  auf  eine  große  Wiese,  wo  die
Menge  sich  teilte.  Ich  irrte  umher,  gefolgt  und  umgeben  von
einem  wirren  haufen,  der  überzeugt  war,  daß  mir  ein  Übergang
  bekannt  sein  würde;  meine  Karte  enthielt  aber  keinen.
Während  ich  in  diesem  Menschenstrudel  aufs  Geratewohl
der  Elster  zueilte,  erfuhr  ich,  daß  Fürst  Doniatowski  in  derselben
  ertrunken  wäre.  Ich  hatte  ihn  noch  hinter  mir  geglaubt,
  weil  ich  annahm,  daß  er  meinem  Ersuchen  gemäß
sich  mit  seiner  Reiterei  dem  Feinde  entgegengeworfen  haben
würde.  Er  war  aber,  wie  ich  nun  hörte,  nicht  mehr  imstande
gewesen,  eine  Kttacke  auszuführen,  da  seine  Mannschaften  bei
der  Nachricht  von  der  Sprengung  der  Brücke  nur  die  eigene
Rettung  gesucht  hatten.  Mit  Tränen  in  den  Zugen  erzählte
mir  der  Kdjutant,  der  die  Meldung  überbrachte,  daß  der  Fürst
zu  Dferde  in  den  Fluß  gesprungen  sei,  dieses  sich  bei  dem
Dersuch,  das  jenseitige  steile  Ufer  zu  erklimmen,  überschlagen
hätte  und  beide  von  der  Slut  verschlungen  worden  wären.
Uoch  ganz  erfüllt  hievon  schritt  ich  weiter,  da  sprengte  mein
Kdjutant  Beurnonville  mit  einem  Kavallerieunteroffizier
heran,  der  trotz  aller  eigenen  Uot  sich  die  Seit  genommen
hatte,  ein  lediges  Pferd  für  mich  einzufangen.  Kaum  saß
ich  im  Sattel,  als  Beurnonville  meine  an  den  wackeren  Mann
gerichteten  Dankesworte  abschneidend,  das  Pferd  am  Sügel
ergriff  und  mit  den  Worten:  „Herr  Marschall,  dazu  ist  jetzt
keine  Seit,  es  gilt  das  Leben!“  sich  in  Galopp  setzte  und  ohne
weiteres  mit  mir  davonjagte.  Dabei  teilte  er  mir  mit,  daß
es  dem  Kommandeur  meiner  Genietruppen,  Oberst  Marion,
gelungen  wäre,  mittels  zweier  langen,  über  den  Sluß  geworfenen
  und  mit  Türen,  Brettern  und  Fensterladen  belegten
Baumstämme  eine  Verbindung  mit  dem  jenseitigen  Ufer  herzu-318

