Der  Berliner  Arzt  Professor  Reil  über  das  Elend
der  verwundeten  Krieger  in  den  Cazaretten  zu
Leipzig.

Reil  war  Direktor  der  preußischen  Lazarette  auf  dem  linken

Elbufer.  Die  folgende  Schilderung  ist  seinem  amtlichen  Bericht  an
den  Freiherrn  vom  Stein  entnommen.

Ceipzig,  26.  Oktober  1813.

Ew.  Exzellenz  haben  mich  beauftragt,  Ihnen  einen  Bericht
  über  meinen  Befund  der  CLazarette  der  verbündeten
rmeen  am  diesseitigen  Elbufer  einzureichen.  Ich  tue  dies
um  so  williger,  als  in  dieser  tatenreichen  Seit  auch  die  Untaten
  nicht  für  die  Geschichte  verloren  gehen  dürfen.  Ich
kam  am  25.  Oktober  früh  in  halle  an,  fand  diesen  von  allen
Seiten  gepreßten  Ort  mit  mehr  als  7000  Kranken  überladen,
und  noch  strömten  immer  neue  vom  Schlachtfelde  bei  Leipzig
zu.  Es  würde  ein  borep#o  apotegov  gewesen  sein,  wenn  ich  hier
zu  helfen  hätte  anfangen  wollen.  Ich  ordnete  dieserwegen
für  die  Derwundeten  an,  was  in  diesem  Zugenblick  das
Dringendste  war,  fand  jeden  Einwohner  bereit,  meine  dorschläge
  zur  hilfe  der  Unglücklichen  ins  Werk  zu  richten,  und
eilte  dann  Leipzig  zu,  um  dessen  CLazaretten,  die  wie  ein
Dulkan  ihre  Kranken  nach  allen  Richtungen  ausspieen,  und
alle  guten  Knordnungen  in  ihren  Umgebungen  wieder  vernichteten,
  eine  zweckmäßige  Zbleitung  zu  verschaffen.  Zuf
dem  Wege  dahin  begegnete  mir  ein  ununterbrochener  Sug
von  Derwundeten,  die  wie  die  Kälber,  auf  Schubkarren,  ohne
Strohpolster,  zusammengeklumpt  lagen  und  einzeln  ihre  zerschossenen
  Glieder,  die  nicht  Raum  genug  auf  diesem  engen
Fuhrwerk  hatten,  neben  sich  herschleppten.  Noch  an  diesem
Tage,  also  sieben  Tage  nach  der  ewig  denkwürdigen  Dölkerschlacht,
  wurden  Menschen  vom  Schlachtfelde  eingebracht,  deren
unverwüstliches  Leben  nicht  durch  Derwundungen,  noch  durch
Nachtfröste  und  Hunger  zerstörbar  gewesen  war.  In  Leipzig
fand  ich  ohngefähr  20000  verwundete  und  kranke  Krieger
von  allen  Nationen.  Die  zügelloseste  Phantasie  ist  nicht
imstande,  sich  ein  Bild  des  Jammers  in  so  grellen  Farben
auszumalen,  als  ich  es  hier  in  der  Wirklichkeit  vor  mir  fand.

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