Napoleon  bei  hanau.

Marschall  Macdonald  erzählt:  Als  ich  Gelnhausen  erreichte,
  war  dort  die  durch  die  Kinzig  gedeckte  Stellung  schon
von  Truppen  des  Generals  Wrede  besetzt,  glücklicherweise  aber
nur  von  etwa  1000  Mann  .  .  Später  kam  ihr  hilfe,  besonders
  durch  Kavallerie,  und  nun  dauerte  das  herumgebalge  und
Geraufe  den  ganzen  Tag,  indessen  rückten  wir  dabei  doch
stetig  vor  und  gelangten  nach  Einbruch  der  Dunkelheit  an
ein  Dorf.  In  diesem  befand  sich  ein  unbewohntes,  aber
gut  möbliertes  Schloß,  welches  der  Kaiser  noch  zu  später
Stunde  zu  seinem  Nachtquartier  erwählte,  nachdem  er  in
einem  anderen,  weiter  zurückliegenden  Dorfe  kein  passendes
Unterkommen  gefunden  hatte.

Bald  nach  seinem  Eintreffen  im  Schloß  ließ  mich  der
Kaiser  holen.  Er  war,  ganz  gegen  seine  Gewohnheit,  ohne
seine  Garden,  und  sagte  mir,  daß  diese  noch  weit  zurück
seien.  Gleich  darauf  fragte  er:  „Bin  ich  hier  sicher?"  —
„Dafür  kann  ich  nicht  stehen,  Majestät;  ich  bin  selbst  erst
in  der  Dunkelheit  angekommen  und  weiß  noch  nicht  einmal.
ob  mir  alle  meine  Truppen  gefolgt  sind.“  —  „Dann  befinde
  ich  mich  also  bei  den  Dorposten?“  —  „So  ist  es,  Sire.“
—  Das  schien  ihm  unangenehm  zu  sein,  indessen  sprach  er
nicht  weiter  darüber,  sondern  erkundigte  sich,  was  ich  über
den  Feind  erfahren.  Darauf  lud  er  mich  zur  Kbendtafel
und  äußerte  während  derselben  voller  Selbstvertrauen:  „Die
Bayern  halten  vor  mir  nicht  stand.“  In  dieser  hochmütigen
Annahme  sollte  er  sich  aber  bald  getäuscht  sehen.

Macdonald  geriet  am  30.  Oktober  in  ein  schwieriges  Gefecht
im  Lamboiwalde.  Er  konnte  ohne  Unterstützung,  wegen  der  starken
Stellung  der  Bayern  am  ZKusgang  des  Waldes,  diesen  nicht  verlassen.


.  .  Da  meine  an  den  loaiser  gerichteten  Bitten  um
Unterstützung  vergeblich  geblieben  waren,  hatte  ich  meine
Truppen  nach  und  nach  in  dünner  TLinie  über  den  ganzen
großen  Wald  verbreiten  müssen.  Meine  Derluste  wurden
immer  größer  und  mit  ihnen  sank  der  Mut  meiner  Leute  mehr
und  mehr.  Ich  hielt  sie  nur  noch  mit  guten  Sureden  und
Dersprechungen.  Nachdem  ich  gesehen,  was  unfrer  am  Zus-332

