darf  nichts  von  der  Gelegenheit  und  dem  Zufall  hoffen,  ihr
Gesetz  bleibt  immer  das  kurze  und  runde:  Tue,  was  du
mußt,  siege  oder  stirb  und  überlaß  Gott  die  Entscheidung.


Ich  will  jetzt  von  den  stillen  Gefahren  sprechen,  die
da  leise  kommen  wie  Wasser,  welche  lange  verborgen  unter
Bergen  dahinfließen  und  ihre  Festen  aushöhlen,  bis  endlich
die  stolzen  Gipfel  in  die  nassen  Tiefen  nachstürzen;  von
den  Gefahren,  die  das  herbeiführen,  was  durch  Waffen  nimmer
  geheilt  noch  abgewandt  werden  kann,  die  das  Elück  auf
immer  verjagen,  die  Tapferkeit  erschlaffen  und  alle  Keime
ausrotten,  woraus  germanische  helden,  Retter  der  Sukunft,
geboren  werden  können.  ·

Diese  leisen  Gefahren  sind  keine  anderen  als  die  all—
mähliche  Kuslöschung  und  Kusrottung  deutscher  Art  und
Eigentümlichkeit.  Wir  waren  in  den  letzten  Jahrhunderten
immer  mehr  erschlafft,  verweichlicht,  entartet;  die  Geschichte
unserer  ehrwürdigen  Altvorderen  war  keine  lebendige  und
begeisternde  Erinnerung  mehr  für  uns;  deutsches  Land,
deutsches  Dolk,  deutsche  Freiheit,  deutsche  Ehre  waren  kaum
noch  Klänge;  die  sonst  so  heiligen  Wahne  von  Kaiser  und
Reich  und  von  ihrer  Macht,  herrlichkeit  und  Majestät  waren
verflogen  —  alles  war  vergangen,  vergessen,  ja,  fast  tot.
Wir  waren  nicht  mehr  den  früheren  Menschen  vergleichlich,
wir  waren  schlechter  geworden  als  unsere  Däter;  aber  wir
waren  noch  deutsche  Menschen,  wir  hatten  noch  vieles  übrig.
woraus  wieder  stattliche  und  feste  deutsche  Männer,  woraus
wieder  ein  großes  und  gefürchtetes  deutsches  Dolk  hervorgehen
  konnte,  wenn  ein  belebender  Odem  des  Geistes
über  die  Welt  wehete  und  die  starre  und  faule  Masse  anblies.
  Bleiben  aber  die  Franzosen  herren  am  Rhein,  bleiben
Straßburg,  Mainz,  Köln,  Kmsterdam,  Kachen  französische
Städte  mit  französischen  Besatzungen,  Kkademien,  Theatern,
so  brauche  ich  kein  Drophet  zu  sein,  um  zu  weissagen,
welche  Menschen  die  Deutschen  an  dem  diesseitigen  Ufer  nach
hundert,  ja  nach  fünfzig  Jahren  schon  sein  werden,  auch
wenn  das  Undenkbare  geschähe,  daß  die  Franzosen  bei  ihrer

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