zwingt  zu  einem  ernsten  Nachdenken  über  das  rasche  Ver—
schwinden  der  größten  Geister  Deutschlands,  ehe  es  in  erneuter
Gestalt  wieder  aufleben  kann.  Die  hohe  Einheit  seines  Geistes,
—  wie  sein  starker  Charakter  notwendig  geistige  Gewißheit
forderte,  und  sichre  Gewißheit  jeden  Drang  seines  Charakters
lenkte,  —  bestimmte  ihn,  der  philosophische  Mittelpunkt  unse—
res  Volkes  während  einer  Reihe  von  Jahren  zu  werden.
Schwache  sprachen  ihm  nach,  Gleiche  zog  er  an  sich,  auch
der  Stärkste  konnte  sich  an  ihm  prüfen.  Unleugbar  der  ausgezeichnetste
  von  denen,  die  sich  Kants  Schüler  nannten,
bemerkte  er  nicht,  daß  er  auf  eigner  selbstgefundner  Bahn
gehe,  bis  es  der  Lehrer  öffentlich  erklärte;  er  war  eigentümlich,
  weil  er  es  nie  sein  wollte.  In  der  blühenden  Seit
von  Jena,  die  so  viele  bedeutende  GEeister  wie  durch  einen
Sauber  sammelte,  weckte  und  nachher  lehrend  in  alle  Welt
zerstreute,  war  er  die  Sonne  des  Studentenhimmels;  lebendiger
  ist  wohl  selten  ein  Lehrer  geehrt  worden  Seine
Einsicht  in  das  Derderben  der  Seit  bewies  er  in  mehreren
Reihen  von  Vorlesungen  vor  Suhörern  beider  Geschlechter
und  aller  Stände,  er  hatte  eine  eigene  Gutmütigkeit,  welche
die  härtesten  Strafreden  halten  konnte,  ohne  daß  die  Ge—
kränkten  gegen  ihn  aufgebracht  wurden.  Das  französische
Derderben  war  in  diesen  Dorlesungen  häufig  berührt  worden,
wahrscheinlich  veranlaßte  ihn  dies,  im  Jahre  1806  Berlin
zu  verlassen,  und  in  Königsberg  Vorlesungen  zu  halten.
Uach  dem  Hrieden  kehrte  er  hieher  zurück,  Berlin  blieb  aber
noch  von  den  Hranzosen  besetzt.  Kus  seinem  tiefsten  herzen
suchte  er  in  öffentlichen  Dorlesungen  den  Deutschen  zu  raten.
Die  Franzosen  achteten  des  Redens  der  Menschen  nicht  mehr,
dennoch  ärgerte  sie  sein  Beifall.  Gleich  nach  dem  Ende  der
Dorlesungen  wurde  seine  bis  dahin  unerschütterliche  Gesundheit
  von  heftiger  unbegreiflicher  Krankheit  ergriffen,  in  deren
Holge  sein  linker  Arm  gichtisch  verkürzt  und  gelähmt  blieb,
während  er  selbst  von  abwechselnden  Rückfällen,  ungeachtet
aller  medizinischen  hilfe  und  der  kräftigen  Uöplitzer  Bäder
nie  ganz  befreit  wurde.  Dennoch  vermochte  dieser  ihm  ungewohnte
  Sustand  von  Sorgfalt  für  seine  Gesundbeit  nicht,

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