ich  wahr  gestern  aben  zum  hinfallen  ermattet,  aber
nach  5  stunden  Schlaff  befand  ich  mich  wider  wohl

(Am  Rande.)  mein  treuen  gehülffen  Gneisenau  habe  ich
vihll  zu  danken,  ich  kan  nicht  mehr  schreiben,  den  ich  zittre
noch  am  gantzen  leibe.  adio.

Blücher  bei  Brienne  beinahe  gefangen  genommen.

Blüchers  Hauptquartier  war  nach  der  Schlacht  bei  Ca  Rothière
spät  nachts  im  dortigen  Schloß  abgestiegen.  Blücher  und  die  Suite
hatten  sich  schon  in  die  oberen  Simmer  zurückgezogen.  (1.  Februar
  1814.)

Graf  Wilhelm  Schwerin  erzählt:  Kuf  einmal  fallen
Schüsse  in  der  nächsten  Nähe,  und  um  die  Ecke  des  Schlosses
pfeifen  schon  Hlintenkugeln  durch  die  Luft!  Im  Schutze
der  hereinbrechenden  Dunkelheit  und  gedeckt  von  einem  Weinberge,
  hatten  sich  französische  Tirailleurs  und  leichte  Kavallerie
in  der  wohlberechneten  Rbsicht,  das  Blüchersche  Hauptquartier
aufzuheben,  unbemerkt  bis  an  das  Schloß  herangeschlichen.
Schon  knitterten  Flintenkugeln  durch  die  Fenster  des  Schlosses.
  Schwerin  hatte  nur  Seit,  dem  Grafen  Goltz  [Ädjutant
Blüchers]  zuzurufen,  für  das  Pferd  des  Seldmarschalls  zu
sorgen,  und  stürzte  zu  diesem  hinauf,  fand  ihn  mit  General
Eneisenau  zusammen  und  war,  trotz  alles  Widerstrebens
des  Elten,  der  durchaus  nicht  an  die  nahe  GEefahr  glauben
wollte,  so  glücklich,  ihn  noch  zu  rechter  Seit  die  Treppen
hinunter  und  aufs  Pferd  zu  bringen  .  .  Kaum  war  man
einige  Minuten  fortgeritten,  als  fliehende  Kosaken,  im  vollen
Fluge  dem  Leldmarschall  und  seiner  Suite  entgegenstürzten,
und  indem  sie:  „Dutschky  !  Hutschky  Franzusky“"  riefen,  durch
unverkennbare  Seichen  zu  verstehen  gaben,  daß  der  Weg
schon  vom  Feinde  gesperrt  sei,  und  das  ganze  hauptquartier
den  Franzosen  gerade  in  die  hände  reite.  Es  war  noch  Seit
umzulenken,  und  zum  zweiten  Male  scheiterte  der  so  wohl
angelegte  Dlan  des  Feindes.

Kuch  Napoleon  war  bei  Brienne  in  GEefahr,  von  Kosaken
gefangen  zu  werden,  und  als  er  gerettet  um  sich  blickte,  erkannte
er  den  Dlatz,  auf  dem  er  einst  so  gern  den  Tasso  las,  als  er
auf  der  Ecole  militaire  zu  Brienne  studierte.

(„vor  hundert  Jahren.“  Erinnerungen  der  Eräfin  schwerin.)
360