die  Unglücklichen  zu  retten.  Ihnen  gewiß  Vertrauen  einzuflößen,
  schickte  er  seinen  eigenen  Adjutanten,  Oberst  von
Thiele,  mit  neuen  Vorschlägen  zur  Kapitulation.  Statt  aller
Antwort  aber  nahmen  sie  diesen  mit  in  das  Karree  hinein,  wo
er  unfehlbar  ihr  Todeslos  teilen  mußte,  wenn  nicht  sein
Pferd  sich  mit  ungeheuren  Sätzen  aus  dieser  Gefangenschaft
losgemacht  und  ihn  so  gerettet  hätte.  General  Pacthod,  der
diese  heldenmütige  Derteidigung  befehligte,  fiel  dennoch  lebend
in  HLeindeshand.  Umringt  von  den  Kuführern  der  Derbündeten
  und  mit  Vorwürfen  überhäuft,  so  viel  Menschen
umsonst  hingeopfert  zu  haben,  antwortete  er  lachend:  „Sie
werden  zum  wenigsten  zugestehen,  meine  herren,  daß  wir
uns  gut  geschlagen,  haben.“

(„Dor  hundert  Jahren.“  Erinnerungen  der  Gräfin  Schwerin,  geb.

Eräfin  Dönhoff.)

Die  heimkehr  der  vertriebenen  hamburger.

Agnes  Perthes,  eine  Tochter  von  Matthias  Claudius,
erzählt:  Am  26.  März  1814  wurde  unser  alter  Senat  in
Damburg  wieder  eingesetzt.  Die  Franzosen  waren  zwar  noch
in  der  Stadt,  aber  ohne  Macht.  Dom  Michaelisturm  und  vom
Schwarzen  Berge  bei  Hamburg  wehte  die  weiße  Fahne  und
winkte  den  Heimatlosen,  wieder  in  ihre  arme,  verödete,  liebe
Daterstadt  einzuziehen.

An  unserm  hHause  ging  die  Landstraße  nach  Hamburg
vorüber.  Wirkliche  herden  von  Menschen  strömten  der  größtenteils
  zerstörten  Stadt  zu.  Jeder  einzelne,  der  zurückkehrte,
hatte  nur  Not  und  Jammer  zu  hoffen,  fast  alle  hatten  ein
Glied  ihrer  Hamilie  in  der  Fremde  durch  den  Tod  verloren.
Man  konnte  recht  empfinden,  wie  wir  Menschen  fest  an  dem
kleinen  Fleckchen  Erde  hängen,  wo  wir  geboren  sind.  Die  vertriebenen
  hamburger,  die  sich  im  hannöverschen  und  in  Bremen
  aufgehalten  hatten,  kamen  zu  Schiff  die  Elbe  herauf
und  stiegen  nicht  weit  von  unserer  Wohnung  ans  Land.  Sie
sprachen  ihr  Glück  durch  Gesang  und  freudiges  Tanzen  aus,
pflückten  sich  grüne  Sweige  ab,  die  sie  an  hüte  und  Mützen
steckten  und  in  den  Händen  hielten,  und  so  zogen  sie  ihrer
Daterstadt  entgegen.

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