fragte  dann  nach  Uey.  Wir  antworteten  mit  Schweigen,  und
er  wußte  sich  dies  zu  deuten,  denn  er  erkundigte  sich  nicht  nach
ihm.  Da  es  6  Uhr  war,  bat  er  uns,  zum  Diner  zu  bleiben,
wollte  aber  vorher  noch  die  seine  Person  berührenden  Urkunden
  unterzeichnen.  In  dem  Zusenblick,  als  es  zu  Tisch
gehen  sollte,  ließ  er  uns  aber  bitten,  ohne  ihn  zu  speisen,  da
er  sich  unwohl  fühle  und  zu  Bett  legen  wolle.  Gleichzeitig
wurde  mir  bestellt,  ich  sollte  am  andern  Morgen  um  9  Uhr
kommen,  die  vollzogenen  Urkunden  in  Empfang  zu  nehmen.
..  Hlle  diejenigen,  welche  sich  noch  in  Hontainebleau  in
der  Umgebung  Uapoleons  befanden  —  größtenteils  nur  Leute
vom  persönlichen  oder  Hausdienst  des  Kaisers  —  waren  froh,
ihre  Rolle  in  dem  großen  Drama  enden  zu  sehen,  denn  sie
hatten  nichts  mehr  zu  erwarten.  Uur  der  Anstand  hielt  sie
noch  auf  ihrem  Dosten,  andere  Gefühle  bewegten  sie  nicht;
sie  ersehnten  ihre  Entlassung.

Hünktlich  umo  Uhr  des  andern  Morgen  fand  ich  mich  im
Schlosse  ein.  Die  herzöge  von  Bassano  und  Dicenza  waren
beim  Naiser.  Dieser  saß,  in  einen  einfachen  Schlafrock  gehüllt,
die  nackten  Füße  in  Hantoffeln,  den  Hals  bloß,  den  Kopf
zwischen  beiden  händen,  die  Ellbogen  auf  die  Knie  gestützt,
vor  einem  Kamin.  Er  rührte  sich  nicht,  als  ich  eintrat,  wiewohl
  ich  laut  gemeldet  worden  war;  tief  in  Gedanken  versunken,
  schien  er  nichts  zu  bemerken,  was  um  ihn  her  vorging.
  Das  Schweigen,  welches  herrschte,  wurde  endlich  durch
den  herzog  von  Dicenza  unterbrochen.  „Sire,“  sagte  er,
„der  Derzog  von  Uarent  ist  erschienen,  um  die  vollzogenen
Schriftstücke  in  Empfang  zu  nehmen,  seine  Rückkehr  nach  Paris
hat  Eile!“  Der  Kaiser  hob  wie  schlaftrunken  langsam  den
Kopf  und  sah  sich  einen  Qugenblick  wirr  um;  dann  stand  er
müde  auf,  reichte  mir  die  hand  und  entschuldigte  sich,  von
meinem  Eintritt  nichts  gehört  zu  haben.  Ich  war  von  seinem
Anblick  ganz  betroffen.  Seine  quittengelbe,  zum  Teil  olivengrüne
  Eesichtsfarbe  gab  ihm  das  Zussehen  eines  Schwer.-kranken.
  Don  aufrichtigstem  Mitleid  erfüllt,  fragte  ich:  „Befinden
  Euer  Moajestät  sich  unwohl?"  —  „Ja,“  seufzte  er,  „ich
war  diese  Nacht  recht  krank.“  Darauf  ließ  er  sich  matt  wieder

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