Sieges  genossen,  wir  alle  Lasten  der  Besiegten  getragen;
in  ihm  hat  alles  gestanden,  was  nicht  hineingehörte,  und  nichts
von  dem,  was  alle  Welt  in  ihm  gesucht,  ist  in  denselben
aufgenommen.

Teutschland  hat  in  ihm  eine  jämmerliche,  unförmige,  mißgeborne,
  ungestaltete  Verfassung  erhalten,  vielköpfig  wie  ein
indisches  Götzenbild,  ohne  Kraft,  ohne  Einheit  und  Susammenhang;
  das  GCespötte  künftiger  Jahrhunderte,  und  der
Spielball  aller  benachbarten  Dölkerschaften.  Seine  Krone
ist  zerbrochen  und  zu  Siegelringen  seiner  Souveräne  umgeschmolzen;
  das  alte  große  Haus  ist  dem  Boden  gleich  geschleift,
und  kleine  Häuschen  sind  aus  den  Trümmern  aufgeführt,
worin  jeder  selbständig  seine  Wirtschaft  führt.  Rnicht  mehr
heilig,  sondern  heillos  müßte  fortan  zugenannt  werden  dieses

Reich.  (Nheinischer  Merkur,  19.  Kpril  1815).

Stein  über  Hardenberg  und  Friedrich  Wilhelm  III.

hardenberg  muß  in  dem  Urteile,  welches  viele  über
ihn  fällen,  für  seinen  König  büßen.  lle  wälzen  die  Schuld
auf  ihn,  daß  Dreußen  lim  ersten  Pariser  Frieden  1814]  nach  den
außerordentlichsten  Taten  nicht  energischer  und  kühner  in
Daris  aufgetreten  ist,  daß  man  so  vieles  in  Daris  unabgemacht
und  unbesiegelt  hat  hängen  und  schweben  und  auf  das  Elück
und  den  Sufall  von  Derhandlungen  künftiger  Kongresse  hat
verschieben  lassen.  Kaiser  Franz,  der  listige  und  hinterlistige
  Italiener,  der  sich  mit  österreichischer  und  Tiroler
Gutmütigkeit  und  Treuherzigkeit  vermummte,  der  leichte,
geistreiche  und  tätige  Klexander,  auch  die  Engländer  —  alle,
alle  hatten  ihre  Angelegenheiten  und  Vorteile,  wie  sie  werden
  und  stehen  sollten,  unter  sich  durchgehandelt  und  gefertigt
  und  bebrieft,  nur  Dreußen  wird  mit  einem  blanken
Dapier  allgemeiner  Derheißungen  und  Voraussetzungen  zu
dem  Kongreß  in  Wien  kommen.  Kch,  so  ist  es!  Wie  oft  hat
hardenberg  mir  in  Haris  geklagt,  daß  er  durch  alle  Bitten  und
vorstellungen  seinen  König  nimmer  zu  einer  mündlichen,
königlichen  Besprechung  und  Derhandlung  mit  seinen  Brüdern

77  Die  Befrelung.  417