welches  ihnen  Zerstörung  drohte.  Uur  wenn  ich  das  Gefühl,
  das  sich  über  mein  ganzes  Dasein  verbreitet,  mit  dem
des  Drucks  und  des  Leidens  vergleiche,  das  neun  Jahre  mich
ergriffen  hatte,  —  nur  diese  Dergleichung  setzt  mich  instand,
den  ganzen  Umfang  meines  jetzigen  Elücks,  die  Größe  meines
vorigen  Leidens  zu  würdigen.

Der  UTyrann  hat  geendigt  wie  ein  Feigling.  So  lange
es  nur  darauf  ankam,  das  Blut  der  anderen  zu  vergießen,
war  er  damit  verschwenderisch,  aber  er  wagt  nicht  zu  sterben,
  um  wenigstens  mutig  zu  enden;  er  nimmt  ein  Gnadengehalt
  an,  er  kehrt  in  das  Uichts  zurück,  er  unterhandelt,
um  sein  Leben  zu  behalten  und  ein  schimpfliches  Dasein  zu
verlängern;  man  versichert,  daß  er  seine  Tage  zubringt
mit  Weinen,  mit  Seufzen;  welches  Ungeheuer  und  welche
Derächtlichkeit!  Ouwaroff  krussischer  General]  schrieb  mir
neulich,  es  gebe  in  Bonapartes  Geschichte  ein  Gemisch  von
Seltsamkeit  und  Größe,  von  Tamerlan  und  Gilblas;  aber
es  gibt  einen  dritten  Bestandteil  in  der  entsetzlichen,  mißgestalteten
  Derbindung,  welche  seinen  Tharakter  bildet,  das  ist
Gemeinheit;  sie  zeigte  sich  in  seiner  Klucht  von  der  Krmee
in  Rußland,  in  seiner  Behandlung  derer,  so  er  verfolgt  und
niedergedrückt  hatte,  in  seinem  Umgang,  in  seinen  Reden,
und  gegenwärtig  in  seinem  Betragen  im  Unglück  —  sie  geht
bis  zur  Uiederträchtigkeit,  zur  Furcht  für  sein  Leben  —  zur
Seigheit  ...  Uapoleon  hat  am  9.  gejagt.  Er  denkt  nur
an  seine  gewöhnlichen  Genüsse.  Derselbe  Mangel  an  GEeisteserhebung,
  der  ihm  die  Sslucht  aus  Rußland  eingab,  indem
er  sein  heer  allen  Greueln  des  Hungers  und  der  Kälte  überließ,
  macht  ihm  jetzt  ein  schamvolles  Dasein  erträglich.  —
Die  Erzherzogin  kehrt  zu  ihrem  Dater  zurück,  Jéröme  geht
nach  Stuttgart,  Joseph  nach  der  Schweiz,  so  ist  alles  dieses
Lumpengesindel  zu  Boden!

GEneisenau  an  Ernst  Moritz  Arndt.
Eilsen,  28.  Aug.  1814.
Gerne  würde  ich  mit  nach  Wien  gehen,  wenn  ich  hoffen
dürfte,  daß  meine  Stimme  gehört  würde.  Kber  ich  würde  dort

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