lebendig  zu  fangen,  und  mit  ihren  Pferden  und  Ochsen  und
Wagen  auf  Gemeindekosten  diese  Tiere  lebendig  in  die  Knlagen
  auf  der  sogenannten  Solitude  bei  Stuttgart,  an  denen
wieder  3—4000  Untertanen  mit  ihrem  Oiehe  fronen,  zu
liefern,  wo  sie  im  Angesichte  des  Retters  und  Befreiers  Klexander
  totgeschossen  und  gestochen  werden  sollen.  1200  hirsche
und  Schweine  sollen  auf  diese  Weise  allein  schon  in  der
Gegend  von  Heidenheim  lebendig  eingefangen  sein,  und  dieser
Uage  ist  von  den  Gemeinden  des  dortigen  Oberamtes  Klage
an  die  Regierung  eingekommen,  daß  sie  acht  Tage  lang  2700
Dferde  auf  ihre  Kosten  hatten  zur  Derfügung  des  Forstamts
bereit  stellen  müssen,  ohne  daß  solche  im  mindesten  gebraucht
worden,  und  wie  man  sie  darauf  unverrichteter  Sache  wieder
teimgesendet.  Don  Calw  und  der  Umgegend  sind  so  viel
Tannenreiser  zur  Dekoration  des  Jagdreviers  requiriert,  daß
über  800  Pferde  in  Bewegung  sein  müssen,  sie  fortzuschaffen.
Die  Mälder  leiden  viel  darunter,  doch  ist  das  mit  den
Leiden  der  Untertanen  nicht  zu  vergleichen;  denn  keine
Witwe  und  Waise  weint  den  Tannenbäumen  nach,  wohl  aber
dem  armen  Bauer,  den  die  wütende  Sau  oder  der  tobende
hirsch  beim  lebendigen  Einfangen  getötet  hat.  Man  schlägt
die  Kosten  zu  einer  halben  Million  Gulden  an.  Es  ist
unmöglich,  den  Jammer  zu  schildern,  den  schon  die  Ankündigung
  dieses  Festes  in  allen  herzen  hervorgebracht  hat.

Kugust  von  Kotzebue  für  die  Freiheit  der  Rede.
Flugschrift  1814.

Wenn  die  Untertanen  handeln  sollen,  so  müssen  sie  auch
reden  dürfen.  Wenn  sie  den  Teufel  hassen  sollen,  so  muß
man  ihnen  auch  sagen  dürfen,  daß  er  hassenswürdig  ist.
Fordert  man  hingegen  noch  immer  einen  gewissen  Respekt  von
ihnen  vor  dem  schwarzen  Souverän  [Uapoleons,  so  wissen
sie  am  Ende  sich  gar  nicht  in  die  Sache  zu  finden  und
werden  mißmutig  und  denken:  was  haben  wir  denn  davon,
daß  wir  alles  mit  Freuden  opfern,  wenn  wir  nicht  einmal  nach
langen  Leiden  uns  Luft  machen  dürfen?  —  Ist  es  in  diesem
Falle  sogar  verboten,  das  leider  nur  Kllzuwahre  zu  schildern

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