Stein  und  Wellington  über  die  Sukunft  Deutschlands.


Cord  Wellington  war  am  3.  Februar  1815  in  Wien  angekommen.


Stein  erzählt:  Meine  Unterredung  mit  Lord  Wellington
begann  mit  seiner  äußerung,  daß  es  nötig  sei,  die  deutschen
  Angelegenheiten  zu  ordnen.  Da  Deutschland  keine
Einheit  habe,  so  müsse  diesen  Mangel  die  Einigkeit  zwischen
Dreußen  und  Ssterreich  und  die  Beschaffenbeit  der  öffentlichen
  Meinung  ersetzen.  Deutschland  sei  hauptsächlich  nur
durch  Sprache  und  Sitte  gebunden,  es  sei  in  sich  durch  Religion,
selbst  durch  politisches  Interesse  geteilt.  Die  föderative  Institution,
  so  man  beabsichtige,  müsse  durch  beide  Mächte
und  die  öffentliche  Meinung  aufrecht  gehalten  werden.  Diese
habe  sich  deutlich  ausgesprochen  für  die  gesetzliche  Derfassung.

Ich  antwortete  ihm:  ich  halte  die  deutsche  Angelegenheit
in  ihrer  gegenwärtigen  Lage  für  verschoben.  Sie  sei  dahin
gebracht  durch  das  System,  so  die  Gsterreicher  anfangs  gehabt,
Deutschland  in  viele  Teile  zerstückeln  zu  lassen;  alsdann  seien
durch  eine  Menge  teils  verderblicher,  teils  hinderlicher  Friedensschlüsse
  die  Resultate  des  Rheinbundes  sanktioniert  worden.
  Gegenwärtig  habe  man  einen  Plan  der  Föderation  gemacht,
  der  nicht  gehen  könne,  da  fünf  dirigierende  und  divergierende
  höfe  sich  nach  verschiednen  Derhältnissen  in  den
Einfluß  teilten;  es  wäre  vielleicht  möglich,  diesem  Übel  durch
die  Bestellung  eines  Bundesoberhauptes  abzuhelfen,  da  eigentlich
  das  wahre  politische  Interesse  Dreußens  und  Osterreichs
nicht  in  Widerspruch  stehe.

Er  erwiderte:  die  Bildung  eines  solchen  Oberhauptes  sei
jetzt  nicht  möglich;  es  müsse  jedoch  etwas  geschehn  zur  Erfüllung
  der  Derabredungen,  welche  sämtliche  Mächte  wegen
der  deutschen  Angelegenheit  genommen,  und  zur  Befriedigung
der  Gemüter.  Klles  sei  gespannt,  und  besonders  in  Preußen
zeige  sich  ein  militärisch-republikanischer  Geist.

Ich  bemerkte,  daß  es  allerdings  nötig  sei,  in  einem  Lande.
wo  eine  Derfassung  bestanden,  wo  die  Menschen  an  einen  gesetzlichen
  Justand  gewöhnt  waren,  einen  ähnlichen  wieder

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