gelandet.  Schon  durch  sein  Erscheinen  fegte  er  die  Bourbonen
vom  Thron.  Die  Armee,  die  von  den  neuen  Herren  geringschätzig
behandelt  und  unter  das  Kommando  aufgeblasener  Neulinge  gestellt
  war,  fiel  dem  Sieger  in  hundert  Schlachten  jubelnd  zu.
Die  alten  Soldaten  warfen  sich  ihm  zu  güßen  und  umklammerten
seine  Knie.  Der  Marschall  Ney  war  dem  Kaiser  mit  einem  Heer
entgegengerückt.  Ney  wußte  selbst  nicht,  welche  Gewalt  dieser
Mann  über  ihn  hatte.  Er  brach  seinen  Eid  und  stellte  sich  unter
den  Befehl  seines  alten  Kriegsherrn.  Km  12.  März  ritt  Napoleon
  in  Chon  ein.  Am  selben  Tage  beschlossen  die  versammelten
Dertreter  in  Wien  die  AKchtserklärung  gegen  den  Störenfried.  Sie
war  ein  Werk  Talleyrands  und  wurde  am  13.  März  veräöffentlicht.
Im  Triumph  zog  Napoleon  indessen  der  Zauptstadt  zu.  In  Fontainebleau
  grüßten  ihn  10000  verabschiedete  Offiziere,  und  am
20.  März  zog  er,  umrauscht  von  dem  Jubel  der  Hauptstadt,  in  die
Tuilerien  ein.  —  Wiederum  trieb  die  Uot  die  Mächte  zusammen.
Sie  erneuerten  ihren  alten  Bündnisvertrag  von  Chaumont  (13.
März  1813),  der  sie  verpflichtete,  sich  mit  allen  Kräften  gegen
Frankreich  beizustehen.

Napoleon  gab  Dersicherungen  des  Sriedens.  Aber  seine  Worte
fanden  keinen  Glauben.  Es  blieb  keine  Wahl:  noch  einmal  mußte
as  Schwert  entscheiden.  Napoleon  hatte  zwar  einen  Teil  des
Heeres,  aber  nicht  mehr  die  Nation  hinter  sich.  Darum  suchte
er  sie  durch  eine  freiheitliche  Derfassung,  durch  Einberufung  von
Kammern  für  sich  zu  gewinnen.  Diese  Maßregeln  erforderten  aber
zu  viel  Seit.  Unr  ein  in  kürzester  Frist  errungener  Sieg  konnte  die
inneren  Gegner  des  Kaisers  einschüchtern,  und  die  Stimmung  des
vDolkes  in  entschlossenen  Widerstand  gegen  die  Koalition  umwandeln.
  Der  kKriegsplan  der  Derbündeten  war  so  weitschichtig
angelegt,  auch  waren  sie  zum  Ceil  so  weit  entfernt,  daß
weder  csterreicher  noch  Russen  zum  Schlagen  kamen.  Die  verbündeten
  Uruppen,  außer  Blücher,  standen  erst  am  Rhein,  als
Napoleon  sich  am  12.  Juni  auf  den  Kriegsschauplatz  in  Belgien
begab.  In  Wien  blieb  der  Kongreß  beisammen.  Die  Derbündeten
stellten  im  ganzen  ein  Heer  von  850000  Mann  auf;  Napoleon
hatte  an  der  Nordgrenze  Frankreichs  nur  160000  Mann  stehen.
Er  stürzte  ich  auf  den  ihm  zunächst  stehenden  geind:  auf
das  unter  Wellington  in  den  Kiederlanden  stehende  heer  von
Engländern,  Hannoveranern  und  UNiederländern,  und  auf  Blüchers
Krmee,  die  aus  den  neuen  preußischen  Rheinlanden  schon  frühzeitig
  auf  niederländisches  Gebiet  gerückt  war.  Blücher  und
Wellington  verfügten  miteinander  über  235000  Mann.

Der  Kongreß  erfährt  Uapoleons  Derschwinden  von
Elba.

Metternich  erzählt  in  seinen  nachgelassenen  Dapieren:

Eine  Konferenz  zwischen  den  Bevollmächtigten  der  fünf

Mächte  hatte  sich  in  meiner  Wohnung  in  der  Nacht  vom  6.

auf  den  7.  März  bis  nach  3  Uhr  früh  erstreckt.  Da  die  Kabi-459

