wo  es  das  Terrain  gestattete,  mußten  die  Tẽten  halt  machen,

damit  die  Abteilungen  sich  wieder  sammeln  konnten.
(von  Reiche,  Memoiren.)

Waterloo.

18.  Juni  1815.

Napoleon  glaubte  die  Armee  Blüchers  zersprengt  zu  haben.
Er  verfolgte  sie  daher  nur  lässig.  Wellington  hatte  sich  von  Quatrebras
  nach  Rorden  gezogen  und  beschloß,  2  Meilen  südlich  von
Brüssel,  am  Südrand  großer  Waldungen  auf  den  flachen  höhen
von  Waterloo,  den  Kngriff  Uapoleons  zu  erwarten.  Lord  Wellington
  hatte  eine  Derteidigungsstellung  mit  dem  Sentrum  bei  Mont
St.  Jean  eingenommen,  mit  freiem  Schußfeld,  mit  hecken  und  Hohlwegen
  und  einigen  Gehöften  vor  der  Front.  Hier  konnte  er  seinen
Ruhm  als  des  größten  Derteidigungsgenerals  bewähren.  Denn  UNapoleon
  legte  seinen  Schlachtplan  auf  die  Durchbrechung  des  Sentrums
mit  furchtbaren  Gewaltstößen  an.  In  vier  gewaltigen  heeressäulen,
150—180  Mann  breit  und  24  Mann  tief,  ließ  er  zum  AKngriff
antreten.  Dem  Infanterieangriff  folgten  wiederholte  Durchbruchsversuche
  mit  der  Reiterei  —  etwa  10000  Hferden.  Zufs  neue
ging  die  Infanterie  vor,  endlich  ein  Teil  der  Garde.  Die  Reihen
der  Engländer  litten  furchtbar.  Kber  kaltblütig  und  unerschütter.
lich  hielten  sie  aus.  Die  niederländischen  Truppen  lösten  sich
auf.  Wellington  vermochte  aber  auf  die  Dauer  nicht  stand  zu  halten.
Endlich  —  es  war  3  Uhr  geworden  —  erschienen  die  Spitzen
Bülows  mit  zwei  Brigaden  im  Holz  bei  Hrichermont  (östlich
Mont  St.  Jean)  in  der  rechten  Flanke  Napoleons.  In  beträchtlichen
Seitabständen  nur  konnten  die  einzelnen  preußischen  Heerteile
in  den  Kampf  eingreifen.  Dergeblich  wartete  NMapoleon  auf  seinen
Eeneral  Grouchn.  Die  beiden  Beere  Uapoleons  und  Wellingtons
hatten  sich  bis  zur  Erschöpfung  abgerungen.  Immer  bedrohlicher
wuchsen  die  Scharen  der  auf  das  Schlachtfeld  herniederflutenden
Dreußen.  Der  entscheidende  Stoß  Blüchers  bewirkte,  daß  der  Niedersturzende
  sich  nicht  mehr  erheben  konnte.

Um  8  Uhr  abends  raffte  der  Kaiser  sich  zum  letzten  verzweiselten
  Dersuch  auf,  Wellingtons  Sentrum  zu  durchbrechen.  Er
führte  den  Rest  der  glorreichen  Garde  selbst  auf  der  Straße  nach
la  haye  sainte  vor.  Dergebens,  —  die  ersten  vier  Bataillone
Garden  mußten  weichen  und  rissen  die  letzten  acht  Bataillone
in  ihre  Hlucht  und  Derwirrung  mit  hinein.  So  kam  es,  daß  die
ganze  Krmee  bis  auf  den  letzten  Kern  sich  auflöste,  und  Napoleon
nur  mehr  das  CLeben  retten  konnte.  35000  Franzosen  lagen
tot  und  verwundet,  6000  wurden  gefangen.  Zuf  der  Slucht  verlor
  das  Heer  alles  Geschütz  und  Eepäck.  Das  britische  Heer
hatte  16000,  das  preußische  6000  Mann  verloren,  beide  zusammen
  1120  Offiziere.  —  Die  Derfolgung  durch  GEneisenau
vollendete  den  Untergang  des  zertrümmerten  heeres.  Uur  einzeln
  entkamen  die  FPliehenden  unter  dem  Schutze  der  Hacht.
Km  Morgen  des  21.  Juni  kam  Napoleons  Bruder  Josef  mit
5  Eeneralen  und  3000  Mann  bei  Laon  an.  Das  war  alles

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