senau  zu  sprechen  wünschte.  Ich  traf  ihn  im  vollsten  Staat,
in  Schuh  und  Strümpfen,  den  hut  unterm  Krm,  die  rechte
hand  vor  der  Brust  in  die  Weste  gesteckt.  Sein  Aussehen  war
ängstlich  und  niedergeschlagen;  sehr  kleinlaut  teilte  er  mir
sein  Anliegen  mit,  Unterhandlungen  wegen  der  Übergabe  von
Paris  mit  Gneisenau  anknüpfen  zu  wollen.  Nachdem  ich  dem
General,  der  unterdessen  aufgestanden,  Fouchés  Begehren
mitgeteilt,  ließ  derselbe  ihn  einführen  und  begab  sich,  nach
längerer  geheimer  Unterredung,  mit  ihm  zum  Seldmarschall.
Dort  wurde  der  Waffenstillstand  sowie  die  Ubergabe  von  Haris
zum  Zbschluß  gebracht.  Blücher  war  aber  sehr  unzufrieden,  da
er  die  Zuslieferung  Napoleons  zu  einer  seiner  hauptbedingungen
  gemacht,  Fouché  ihn  aber  von  dessen  Sbreise  in
kenntnis  gesetzt  hatte.  Blücher  war  alles  Ernstes  entschlossen
gewesen,  Uapoleon  in  St.  Cloud  aufhängen  zu  lassen,  da  er
Europa  nicht  für  gesichert  hielt,  so  lange  der  Ruhestörer  lebte.
Kuch  Haris  hätte  er  gern  rundum  in  Brand  stecken  und  vom
Erdboden  vertilgen  lassen.  „Wie  oft  wollt  ihr  dos  Nest  denn
noch  belagern?"  fragte  er.  Uun  mußte  er  auf  alle  diese
Pläne  verzichten  und  das  verdroß  ihn.  Da  er  es  liebte,
den  geind  in  Ungewißheit  über  seinen  Zufenthalt  zu  lassen,
verlegte  er  am  Uage  nach  Lgeuchés  nächtlichem  Besuch,  also  am
4.  Juli,  das  hauptquartier  nach  Meudon.  Dort  war  nichts
zu  unserer  Qufnahme  in  Bereitschaft,  kaum  konnten  in  Eil
die  nötigen  Lagerstätten  und  anderes  Unentbehrliche  herbeigeschafft
  werden,  wobei  denn  Unordnungen  entstanden,
  welche  die  Dienerschaft  zu  einer  kleinen  Plün—
derung  benutzte.  Dieselbe  gab  am  nächsten  Morgen  Deranlassung
  zu  einer  halb  unangenehmen,  halb  komischen  Szene.
Blücher  nämlich,  der  in  dieser  hinsicht  nur  allzu  nachsichtig
gegen  seine  Teute  war,  erzählte,  daß  der  Kastellan  des
Schlosses  sich  bei  ihm  über  bedeutende  Entwendungen  beklagt
habe  und  fügte  hinzu:  „Das  müssen  wohl  Ihre  Bedienten  gewesen
  sind,  Gneisenau,  denn  meine  habe  ich  schon  gefragt  und  die
sagen,  sie  hätten  nichts.“  Gneisenau,  selbst  so  rein  und  gegen
seine  Dienerschaft  so  streng  in  dieser  Beziehung,  verlangte  sehr
entrüstet  die  Durchsuchung  sämtlicher  Bagage  und  unnachsicht-495

