rungen  der  Gerechtigkeit  davor  in  den  hintergrund  traten.
Man  schrieb  diese  unerlaubte  Nachsicht  dem  Kaiser  von  Ruß.
land  zur  Last,  der  freilich  nichts  zurückzufordern  hatte,  ja  sogar
  40  Kisten  mit  den  aus  klassel  geraubten  Gemälden
per  fas  et  nefas  an  sich  brachte  und  nach  Detersburg  führte,
wo  die  Bilder  trotz  aller  Reklamationen  noch  immer  in  der
kaiserlichen  Galerie  sich  befinden.  Jetzt  verwandte  sich  Wellington
  für  die  Uiederländer,  der  Kaiser  Franz  forderte  die
aus  Slorenz,  Mailand,  Denedig  geraubten  Stücke,  der  Papst
Dius  VII.  und  die  Spanier  blieben  auch  nicht  zurück.  So
ward  der  Raub  vieler  Jahre  den  rechtmäßigen  herren  zurückgestellt.
  Den  Franzosen  wollte  es  anfangs  durchaus  nicht  einleuchten,
  daß  gewaltsam  weggeführte  Kunstwerke  nicht  als
wohlerworbenes  Eigentum  gelten  können.  Sie  sträubten  sich
solange,  als  es  irgend  anging.  Der  greise  Denon,  Napoleons
Begleiter  in  Aguypten,  Direktor  der  Pariser  Jammlungen,
ein  seiner  Kenner  in  allen  Kunstfächern,  war  bei  Wegführung
der  Kunstwerke  aus  den  eroberten  Ländern  besonders  tätig
gewesen.  Unter  andern  hatte  er  im  Jahre  1806  die  Berliner
Kunstkammer  und  das  Münzkabinett  geplündert;  man  kann
sich  also  wohl  denken,  daß  die  Dreußen  nicht  gut  auf  ihn  zu
sprechen  waren.  Er  erhob  bei  der  verlangten  Rückgabe  die
größten  Schwierigkeiten.  Knfangs  wollte  er  die  Sache  bloß
für  einen  Scherz  halten  und  schien  den  Gedanken  im  Ernst  gar
nicht  fassen  zu  können.  Dann  machte  er  die  lächerlichsten  Kusflüchte
  und  hielt  die  preußischen  Kommissäre  von  einem  Uage
zum  andern  hin.  Bald  war  er  unwohl  oder  nicht  zu  Hause,
bald  konnte  er  den  Schlüssel  nicht  finden,  bald  fehlten  die  betreffenden
  Inventarien.  Endlich  riß  den  Preußen  die  Geduld,
und  der  Leutnant  Dieterici  (später  Geheimrat  und  Direktor
des  Statistischen  Bureaus  in  Berlin)  erhielt  den  Zuftrag,  mit
16  Mann  seiner  uckermärkischen  Kompagnie  bei  dem  Baron
von  Denon  die  Exekution  zu  vollstrecken.  Kls  er  eines  schönen
Morgens  mit  seinem  kleinen  Kommando  einrückte,  fand  er  nur
die  alte  Haushälterin  in  der  Wohnung.  Eine  ganze  Reihe
von  bequemen  Entresolstuben  war  mit  dem  raffinierten  Luxus
eines  reichen  alten  Junggesellen  eingerichtet;  man  fand  weiche

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