Sreiheit  und  Derfassung  nach  der  Kriegszeit.

von  der  Marwitz  erzählt:  Von  Freiheit  und  Verfassung
war  kaum  mehr  die  Rede.  Richt  nur  bei  uns,  sondern  beinahe
in  allen  Ländern  brüsteten  sich  die  Ministerien  mit  ihrer  Weisheit.
  Sie  allein  hätten  durch  ihre  vortrefflichen  Rombinatio-=nen
  den  Seind  geschlagen  und  den  jetzigen  glücklichen  (1)
Sustand  herbeigeführt.  Wendete  etwa  einer  ein,  daß  die  Kraft
und  Freiheitsliebe  des  mißhandelten  Dolkes  doch  auch  das
Ihrige  getan  hätten,  so  wurde  dies  entweder  geradezu  bestritten
  oder  höchstens  zugegeben,  daß  die  Dölker  sich  aus  Ciebe
zu  ihren  rechtmäßigen  Monarchen  so  gut  betragen  hätten!  Don
dieser  Liebe  war  aber  wenig  zu  sehen  gewesen,  denn  diese  Monarchen
  hatten  sich  weder  vorher  noch  nachber  so  betragen,  daß
sie  Liebe  verdient  hätten.  Allerdings  ist  die  Rechtmäßigkeit  eines
Monarchen  ein  großes  heil  für  ein  olk,  aber  sie  schließt  alle
anderen  Rechtmäßigkeiten  der  bürgerlichen  Freiheit,  des  überall
  gleichen  Rechtes,  des  Besitzes  und  herkommens  in  sich.
Wenn  ein  Monarch  alle  diese  Rechtmäßigkeiten  mit  Füßen
tritt,  so  darf  er  von  der  seinigen  nicht  weiter  reden;  denn
er  selbst  hat  die  Gewalt  an  die  Stelle  seines  sonst  guten
Rechts  gesetzt.  Und  nichts  ist  törichter,  als  ewig  von  der
bloßen  Liebe  zu  der  Derson  des  Regenten  zu  reden  und  dadurch
die  Liebe  zu  einer  dem  ganzen  Dolk  heiligen  Sache  nicht  laut
werden  zu  lassen,  gleichsam,  als  ob  das  in  jedem  Menschen
liegende  Gefühl  des  Rechts,  des  Strebens  nach  Freiheit  und
des  Widerstrebens  gegen  Unterdrückung  durch  solches  Ge—
schwätz  sich  austilgen  ließe!  (Nachrichten  aus  meinem  Leben.)

Wo  ist  Deutschland?

Wo  ist  jetzt  das  Deutschland,  dem  der  Kampf  galt?  Alle
jungen  Krieger,  darunter  die  vorzüglichsten,  wurden  Dolitiker.
  Wo  ist  das  Deutschland,  fragten  sie,  für  welches
zu  kämpfen  wir  aufgefordert  wurden?  Es  lebt  in  unserm
Innern.  Seigt  es  uns,  wo  wir  es  finden,  oder  wir  sind  genötigt,
  es  uns  selbst  zu  suchen!

(Steffens,  Was  ich  erlebte.)

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