15

reich  sehen  wir  Friedrich  Wilhelm  wohl  einmal  schwanken.  Er
nimmt  von  dem  französischen  Ludwig  ein  Jahrgeld.  Indessen  auch
dies  dauert  nur  eine  kurze  Zeit.  Das  wesentliche  Gepräge  der
Regierung  Friedrich  Wilhelms  ist  treuer  Anschluß  an  das  Kaiserhaus.
  Es  treten  Mishelligkeiten  ein,  aber  niemals  hinreichend,
um  das  gute  Vernehmen  dauernd  zu  stören.  Als  Friedrich  Wilhelm
  die  Schweden,  die  Söldlinge  Ludwigs,  erfolgreich  besiegt,
will  doch  der  Kaiser  lieber  das  besondere,  wenn  auch  noch  so  gerechtfertigte
  Interesse  des  einzelnen  deutschen  Reichsfürsten  opfern,
als  dafür  das  Ganze  einem  längeren  Kriege  aussetzen.  Aber
Leopold  belehnt  Friedrich  Wilhelm  mit  Magdeburg.  Er  läßt  es
ruhig  geschehen,  daß  der  Kurfürst  nachdrücklicher  als  irgend  ein
anderer  Fürst  im  Reiche,  die  Rechte  seiner  Stände  zerbricht.  Dagegen
  maßt  Friedrich  Wilhelm  sich  keinerlei  Rechte  an,  die  dem
Oberlehnsherrn  gebühren.  Um  seinen  getreuen  Derfflinger  zu  belohnen,
  bittet  er  den  Kaiser  für  ihn  um  den  Freiherrustand.
Diese  Gesinnung  vererbt  Friedrich  Wilhelm  seinem  Sohne
Friedrich.  Friedrichs  kleiner  Geist  ist  glücklich  in  dem  Gedanken
ein  möglichst  getreues  Abbild  der  Aeußerlichkeiten  des  französischen
Ludwig  zu  werden  und  Versailles  in  den  Sand  der  Spree  zu
verpflanzen.  Es  gelingt,  und  das  arme  gequälte  Land  seufzt  schwer
unter  dem  Drucke  der  Diamantknöpfe  und  Juwelen.  Allein  wo
es  auf  eine  That,  eine  politische  Kundgebung  ernsterer  Art  ankommt,
  da  finden  wir  Friedrich,  dem  Zuge  seines  Hauses  gemäß,
treu  bei  dem  Kaiser.  Auch  ist  ja  nur  dort,  bei  dem  Oberhaupte
nicht  bloß  des  Reiches,  sondern  dem  Namen  und  der  Würde  nach
noch  der  gesammten  Christenheit,  die  Befriedigung  des  liebsten
Wunsches  zu  erlangen.  Der  kalte,  gemessene  Oranien,  der  Dutch-William,
  wie  die  Engländer  mismuthig  ihren  neuen  König  nennen,
beansprucht  in  Friedrichs  Gegenwart  einen  höhern  Stuhl  als  dieser
Kurfürst.  Zugleich  erfreut  sich  bereits  der  Kursachse  in  dem  zerwühlten
  Polen  des  hohlen  Schalles  einer  Majestät.  Diesen  nach-